zu den zehen Bänden der Geschichte. 97
weltliche und gelehrte Geschichte, die einheimische und aus-wärtige, zugleich in gleichem Maaße, vollkommen wisse?Nein, es ist nicht möglich. Was ihm an der Kenntniß dereinen Art zugeht, das geht ihm an einer andern Art wiederab. Hatten wir nun, bey der Menge unserer neuen Ge-schichtschreiber, auch noch vollends alle Alten, wo wollten wirZeit hernehmen, sie zu lesen, und auszuziehen? Welcherkurze Entwurf, und welches Gedächtniß würde die alte Ge-schichte alsdann fassen können?
Ich meines Theils weis dem Schicksale Dank, und sehees für eine unerkannte Wohlthat Gottes an, daß er derWildheit ungelehrter Völker gestattet hat, von den Schrif-ten der Alten so viel zu vertilgen. Denn haben unsere Gram-matiker und Historiker, bey den so sehr geringen Uebcrrestendes Alterthums, so sehr viel zu schaffen, daß sie Zeitlebensdamit nicht fertig werden: wie würden sie denn herum kom-men, wenn alles, was je griechisch und lateinisch geschriebenworden, auf uns gekommen wäre? Welcher Grammatikerwürde die griechische Sprache alsdann söffen können? oder,wenn er sich Gewalt anthäte, nicht darüber verwirret wer-den? In welchem Wörterbuchs würden alle griechische Wör-ter Platz haben? Welches Gedächtniß würde für alle, auchnur wichtige Begebenheiten der alten griechischen Staatengeraum genug seyn? Der Barbaren Grausamkeit wider dieSchriften der Alten ist also an sich nützlich, ja nöthig gewesen.Nur härten, nicht sie, sondern kluge Leute, die Verwüstung inder gelehrten Welt anrichten sollen; Leute, welche gewußt hät-ten, was den Nachkommen nutzen könnte, und was der Un-sterblichkeit werth wäre. Ich bedaure also den Verlust vie-ler alter Schriftsteller an sich selbst nicht. Nur will ich so vielsagen, daß ihre Erhaltung zu Entscbeidung des Zwistes, we.gen des Vorzuges der Alten und Neuen, unentbehrlich seynwürde.
Man würde sich sehr irren, wenn man aus dem, wasich bisher angeführet habe, und über einige unrichtige Stel-len des Herrn (Zedsyn erinnern werde, schlöffe, daß ich denAu sätze )vr Gesch. der par. Ak. (G) Alten