Jahrgang 
auf das Jahr 1883 (CFM K 59 : 1883 Expl. 2)
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rochen hätte". Das Nehmen von Präservativmitteln war als ein Trotzengegen Gottes Strafe erschienen. Auf den Umgang mit den Gottes-hausleuten zu Rheinau ist zurückzuführen, daß manche katholische An-schauungen sich vorfinden, so von den Verdiensten der guten Werke, vomFegfeuer w. Gegen die Katholiken herrscht allgemeine Toleranz.

Ein Jahr früher sprach ein anderer Berichterstatter folgendes Urtheilüber das Landvolk aus:Der religiöse Zustand des Landmannes istschlecht, seine Erkenntniß gering, zweifelhaft, unwirksam. Er siehet Betrugfür Sünde an und übet ihn doch und findet die Tugend auch an An-dern nicht schön. Eine großmüthige Handlung eines Landmannes in derletzten Theurung, die einigen Bauern erzählt worden, ward von Allenaußer einem einzigen, als Thorheit verlacht. Diese eigennützige Denkartder Landleute ist die Quelle ihrer Gefühllosigkeit und Laster und auchder sehr gemeinen Meinung, daß Niemand, als nur um seines Vortheileswillen, ehrlich sei".

Nicht wahr, kein rosiges Bild? Aber auch kein vollständiges, sondernder Ergänzung sehr bedürftig, wenn es dem damaligen Landvolk gerechtwerden soll. Diesem Gefühl gab schon im folgenden Jahr (1775)ein warmer Freund des Volkes Ausdruck: Vikar Brennwald zu Kloten,eines der eifrigsten Glieder der asketischen Gesellschaft, durch seinen Auf-satz, betitelt:Einige gute Züge aus dem Charakter einesTheils des Landvolkes in meiner Gegend".

Der Verfasser bemerkt in der Einleitung:Ich finde die beobachtetenVorurtheile und Laster auch in unserer Gegend mehr oder weniger ein-gewurzelt, und wo es nöthig wäre würde es ein Leichtes sein, jener Ab-handlung noch ein starkes Supplement beizufügen, in welchem z. E. dieSauferei, die Unzucht, der oft bis zur Raserei getriebene Zorn des Bauerndie vorzüglichsten Rubriken ausfüllen dürften. Allein das wären aber-mals nur Warzen dergleichen sind nun für einmal genug gemalt,vielleicht gar durch mißlungene Züge des Malers ein bischen zu stark aus-gedrückt. Wenn wir nicht auch die schönen Züge in das Porträt desBauern bringen wollten, fo wären wir wahrhaftig unbillige Maler." Der