Jahrgang 
auf das Jahr 1883 (CFM K 59 : 1883 Expl. 2)
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Mittel, ewig selig zu werden, ist, wenn man sein Leben lang viel in derBibel und im Gebetbuch gelesen, wenn man nicht dem Fluchen undSchwören ergeben gewesen. Gesetzt auch, man habe schlimm und bös inder Welt gelebt, wenn man nur noch in der letzten Stunde dem Pfarrernachbetet und nachseufzt, so wird Niemand den Weg nach dem Himmelversperren.Der Glaube an Jesum ist ... oh! hievon haben sie garkeinen Begriff oder gewiß den schlechtesten, den man denken kann." (Ver-fasser schreibt wohl mit Recht die Hauptschuld dem mangelnden Religions-unterricht bei.) Der Aberglaube ist noch groß. Die Mehrzahl glaubt,daß gewisse Leute besondere Kräfte besitzen, z. B. zu machen, daß eineKrankheit einen Andern angreife oder ausbleibe, daß der Dieb das Ge-stohlene wiederbringen müsse, daß die Kühe keine Milch geben, daß Je-mand, der sie beleidigt, krumm oder lahm werde. Durch Hülse desTeufels und Zaubereien besitzen Manche Macht nicht nur über Menschenund Thiere, sondern auch über Sturm und Ungewitter. Hauptsächlich dieViehärzte bestärken die Leute in ihrem Aberglauben. Die Vernünftigenlassen sich aber doch eines Bessern belehren. Besonders ausgeprägt(doch keine Besonderheit; denn aus Schöfflistorf wird dasselbe berichtet)ist eine Art Vorsehungsglaube, die an Mohammed erinnert. Die Leuteglauben zuversichtlich, daß ihre Schicksale in diesem Leben von der Vor-sehung so unbedingt bestimmt seien, daß Mittel zur Abwendung von Ge-fahren weder nöthig noch erlaubt seien. Als eine epidemische KrankheitViele auf's Krankenlager warf, ließen sich nur Wenige bereden, Arzneienzu nehmen, Andere gaben die bestimmte Antwort:Muß ich an dieserKrankheit sterben, so hilft alle Arznei nichts, muß ich aber nicht daransterben, so wird mich Gott ohne Arznei erhalten können, ich bedarf alsokeine". Auch Kinder verweigerten jede Arznei, starben darum in großerZahl, aber alle mit rührender Todesfreudigkeit. Zu den Kranken gingendie Leute ohne einiges Bedenken und Ekel und pflegten sie mit hingeben-dem Eifer; denn, sagten sie:Wenn ich nicht krank werden muß, sokann ich ohne Gefahr abwarten, muß ich aber sterben, so würde ichgewiß auf das Bett gestreckt, wenn ich diese Krankheit nicht einmal ge-