Jahrgang 
auf das Jahr 1883 (CFM K 59 : 1883 Expl. 2)
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same und Häusliche geht das ganze Jahr nie dahin zum Glück, daßes an der Landstraße in einiger Entfernung von dem Dorfe steht undalfo mehr den Reifenden als den Gemeindsgenossen dient." Aehnlichlauten die Berichte aus andern Bauerndörfern, wobei dann freilich dieBemerkung nie fehlt, daß bei einzelnen seltenen Anlasten allerdings auchüber den Durst getrunken werde.

Ebenso übereinstimmend wird der Fleiß der Landleute bezeugt.Wollen sie existiren, so können sie nicht müßig gehen. Die angestreng-teste Arbeit vom frühen Morgen an und bei drückendster Tageshitze istihnen nicht eine Last, unter der sie seufzen, sondern ein Werk, das siefröhlich und mit bewundernswürdiger Gewissenhaftigkeit thun. Aus Seuzachwird berichtet:Oft kehren sie, wenn sie in langen Tagen 16 Siundenim Schweiß des Angesichtes ihr Werk getrieben, unter frohem Gesangihren Hütten zu." (Man bemerke den Unterschied von den nie singendenHenggartern.) Nur die langen, dunkeln Winterabende bringen etwa dieMänner müßig in den Häusern hin, während die Weiber bis in die späteNacht am Spinnrad sitzen.

Damit hängt dann auch wieder zusammen eine würdige Sonn-tagsfeier. Um nicht vorzugreifen, erwähne ich hier nur die auch fürandere Bauerngemeinden geltenden Worte des Pfarrers zu Seuzach:Man hat einst die Frage aufgeworfen, was den Landleuten zu rathenwäre, um die Sonntagsmuße angenehm und nützlich zuzubringen. Hierlöst sich das Räthsel mit zwei Worten:Sie ruhen" und wer weiß,was sechstägige harte Arbeit ist, wie sie die Leute im Korn- und Wein-land treiben müssen, wird keine weitere Erklärung bedürfen. Hier freutsich Alles, Alt und Jung, auf den Sonntag, wo man sich erholen kann."Und wie erholte man sich? Darauf antwortet der nämliche Mann:Größtenteils geht man, wenn's die Witterung erlaubt, in die Güter,zu sehen, ob und wie Jedes gedeihe. Die Alten sitzen zusammen untereinem Baum und sprechen von fruchtbaren und unfruchtbaren Jahrgängen,vom Preis der Früchte und des Viehs, von Dorfneuigkeiten, von allenHeeren und Landvögten, die sie gekannt haben. Die Knaben und Töchter