Jahrgang 
auf das Jahr 1883 (CFM K 59 : 1883 Expl. 2)
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Vielfach werden diese Jahre als die Zeit des Umsturzes nicht nurder bestehenden Verfassung, sondern auch der religiösen und sittlicheil Nor-men angesehen, so daß von diesem Zeitpunkt an die Verschlimmerung desreligiös-sittlichen Zustandes herzudatiren wäre. Mit welchem Rechte?Diese Frage zu beantworten, ist eine nicht uninteressante Aufgabe.

Die kirchlichen Verhältnisse jener Jahre sind bereits von Herrn AntistesFinster im Zürcher Taschenbuch 1859 putz. 131 fs. in höchst lehrreicherWeise dargelegt worden; ich kann mich also auch hier auf Schilderungdes religiös-sittlichen Volkslebens jener Zeit beschränken und werde diesehauptsächlich aus folgende Aufsätze stützen:

Psr. Weiß (Dielsdors):Was hat die Revolution in den unternGegenden des Kantons aus Religiosität und Sittlichkeit für einen Einflußgehabt"? 1800 und 1801.

Abhandlung eines Ungenannten über den Zustand seiner Gemeindebei und nach der Revolution (große Zürcher Fabrikgemeinde) 1800.Vikar Schinz (Seengen), Religions- und Sittenwesen in einigen Gegen-den des Kt. Aargau seit 1798 und 1800. Die bisherigen Folgen derRevolution in einer großen Gemeinde des Kt. Thurgau. Von einemUngenannten 1802.

Nicht ohne Grund sahen außer den Regierungen auch die Geistlichenmit Bangen dem herantobenden Sturm der Revolution entgegen, die nichtnur ihre persönliche Stellung zu einer gefährdeten machte, sondern allegute Saat, die sie in den Herzen ausgestreut hatten, zu zertreten drohte.Manchen schien die Zeit des Antichrists anzubrechen. Es sei hier nureines Briefes gedacht, in dem sich der damalige Leiter der Zürcher Kirche(31. August 1798), der treffliche Antistes I. I. Heß, einem vertrautenFreund (Sulzer) gegenüber folgendermaßen ausspricht:Daß vor dergroßen Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdboden kommensoll, Unruhzeiten als Vorboten vorangehen, ist sowohl dem natürlichenals dem göttlichen Gang gemäß. Daß auch die Unruhzeiten schon Segenmit sich führen, ist Gnade, ist Stärkung aus die Versuchungsstunde fürden, der sie noch erleben soll und auch für den, der sie nicht selbst erlebt,