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müssen, nicht mehr zu ihrem Vergnügen dienen kann . . . Was die Ju-gend betrifft, so hat sich durch die Revolution, etwas mehr Frechheit aus-genommen, keine große Veränderung bemerken lassen. Freilich war auchda der 'Aufenthalt der Franzosen schädlicher als Mancher dachte. Dieerwachsenen Töchter hatten viele Gefahren um diese Wespen her auszu-stehen. In jedem Dorf gab's ein Haus, das sie „Nummero Lustig"nannten, doch kamen keine Nachkömmlinge zum Vorschein und keine Tochterverließ das Haus der Eltern. (Ungünstiger lautet der Bericht des Pfar-rers zu Amrisweil: „Ich hatte manches uneheliche Kind zu taufen; esgab Mädchen, die wirklich Coquetten waren und hernach vor lauter Ver-liebtheit Narren wurden, die man anschließen mußte.") Um so dreisterund ausgelassener wurden die ältern Knaben. Von unerhörter Frechheitwaren die zurückgekommenen „18,000er Bursche", gewöhnt an Fressen,Sausen, Tanz u. s. s." Sie steckten die andern Burschen an und dieMunizipalitäten thaten nichts gegen ihre groben, bis tief in die Nacht sicherstreckenden Ausschweifungen.
Dann aber weiß der Berichterstatter auch wieder zu rühmen: „DieRevolution hat auch dem Thurgau viel gcnützt und schwerlich ist einKanton, der sich bei der Revolution besser verhalten hat, wie der KantonThurgau. Man sah nirgends auffallende Unruhen. Geduld, Dienst-fertigkeit, Wohlwollen traten überall zu Tage. Nur das war oft derFall, daß man auf die schimpfte und schmähte (Lemaner und Stäfner),die das Signal zu all' den kläglichen Auftritten in unserm Vaterlandgegeben hatten... Gegenwärtig (März 1802) ist es im Thur-gau noch besser, Pfarrer sein. Das Volk wäre zufrieden, wennnur einmal eine bestimmte Ordnung käme, sie möchte zuletzt auch kommen,woher und wie sie wollte. Man ist der ewigen Konstitutionen müde."
Bemerkenswerth ist noch folgender Zug von Vaterlandsliebe: „Ichhabe die Bemerkung gemacht, daß mehrere Kranke, so sehr sie auch, leidenmußten, doch um der Zukunft willen das Leben behalten zu könnenwünschten und mir auf die Frage: Würdet ihr nicht gerne sterben? ant-worteten: Wenn es Gottes Wille ist, so will ich diesem Willen folgen,