Jahrgang 
auf das Jahr 1883 (CFM K 59 : 1883 Expl. 2)
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Ach, das Interesse daran war schon vorher nur allzu geschwächt, und diebürgerliche Revolution mit ihren bisherigen Folgen lahmte es noch mehr...Wenn es nur einmal so viel wirkte, daß die Leute sich näher erkundigenmöchten, was sie denn eigentlich glauben und warum dies, nicht aberdas Gegentheil daß die Geistlichen mit geistlichem Waffen kämpftenund mehr in der innern Konstitution der christlichen Kirche als der äußernihre Stärke suchten daß ein Wetteifer entstünde, durch christliches Lebendie Separatisten zu beschämen! Ich konnte mich schon lange des Ge-dankens nicht erwehren, daß jene vielgepriesene Eintracht und Friedens-stille im Kirchenwesen mehr uns behaglich als dem Christenthum selbst ge-deihlich war. Sage ich zu viel, wenn ich den Zustand, worein wir ge-riethen, Lauheit nenne? Die Sachen gingen zu sog. sattsamcr Zufrieden-heit in ihren alten Formen und Geleisen fort; man bemerkte, daß derGeist des rechten Ernstes immer mehr davon wich, aber man hielt sichan die Regel kestinu lernte (eile mit Weile), in der man aus das lenkeein solches Gewicht legte, daß das testinu (eile!) darüber zu Grundeging ... Ich glaube, daß jene Sekten unserer Kirche zur Belebung undgeistigen Stärkung dienen müssen."

Ueber die Verbreitung und die ganze Art der Separatisten braucheich hier um so weniger zu berichten, da ihre Zahl eine sehr geringe unddie Haltung der großen Mehrheit des Volkes gegen sie eine ablehnendewar und da in Meyer von Knonau (der Kanton Zürich II S. 375)Näheres über sie nachgelesen werden kann. Freilich ist hinzuzufügen, daßes auch damals schon unter dem im Ganzen sehr ehrbaren, stillen, ein-gezogenen Häuflein von Neugläubigen manches unsaubere Element gab.Der Pfarrer von Affoltern erzählte uns von einem solchen und PfarrerDenzler zu Ellikon trug 1807 der asketischen Gesellschaft eine ganzeArbeit vor über einen gescheiten Menschen seiner Gemeinde, der ausdemzügellosesten aller Taugenichtse" mit einmal ein Heiliger wird, ein Mensch,der durch den strengsten Ernst in Worten und Handlung, durch stetesReden und Seufzen in biblischen Phrasen die allgemeine Aufmerksamkeitauf sich zieht. Er besucht zwar noch die Wirthshäuser, aber nicht mehr,