135
mittler und die streitenden Parteien wurden zum Friedenstrunke genöthigt.Der seine Rechnung nie vergessende Wirth gab für's ganze Jahr Kredit,dies förderte den Leichtsinn und die Sorglosigkeit Mancher so, daß sie desZahlungstermins kaum mehr gedachten, bis die Rechnung ihnen vorgelegtwurde und die Schuld nur mit Verlust von Gütern und Habe, ja derWohnung selbst getilgt wurde. Es könnte mehr als ein Beispiel ange-führt werden, wie auf diesem Wege einzelne Individuen und Haus-haltungen zu Grunde gerichtet wurden!"
„Sollte aus allen Gemeinden eine Beschreibung des herrschendenAberglaubens, der Spukgeschichten rc. gegeben werden, so könnte man mitJohannes sagen: „Die Welt möchte die Bücher nicht fassen, die darüberzu schreiben wären." Man könnte sich aber dann auch sattsam über-zeugen, daß es mit der Aufklärung unsers Volkes noch bei Weitem nichtso vorwärts gerückt sei, wie man etwa, auch von einer Art Aberglaubenbefangen, sich's einbildet."
„Eine Hauptquelle der herrschenden Uebel war und ist das Miß-geschick, das seit undenklichen Zeiten über jener Gemeinde wie ein feind-seliger Dämon waltete: unter Vorstehern zu stehen, die entweder zu dendümmsten oder zu den schlauesten, eigensüchtigste:: gehörten ... So be-denklich war diese Gemeinde seit Langem mit Vorstehern und Stillständernversehen, daß es äußerst schwer hielt, einen verständigen und rechtlichenMann zur Annahme einer Stelle zu bewegen, indem es zum Sprichwortgeworden: ,Wer ein ehrlicher Mann bleiben will, nimmt Nichts aw."
Bemerkenswerth ist ferner, daß dieser Rezensent bereits dem Vor-urtheil des Referenten entgegentritt, als sei eine Gemeinde deswegen zurühmen, weil sie keinerlei Neigung zu Separatismus habe. Vielmehrstimmt er dem bei, was schon Diakon Schultheß 1802 in einem Vertragüber separatistische Sekten seinen Kollegen zu bedenken gegeben hatte:„Sollten nicht etwa dergleichen Bewegungen nöthig sein, um das Volkaus dem Schlummer der Gleichgültigkeit, worin es in Absicht auf Re-ligion und Christenthum liegt, aufzuwecken, um ihm die großen Gegen-stände unsers Glaubens und unserer Hoffnung interessanter zu machen?