Jahrgang 
auf das Jahr 1883 (CFM K 59 : 1883 Expl. 2)
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auch sonst durch sagenhafte Züge Bedenken gegen ihre Geschichtlichkeit er-wecken, fallen in den Spätherbst und Winter: die von Zofingen ausSt. Otmars Abend (16.17. November), die von Solothurn aufMartins Abend (10.11. November), der Berneraufruhr auf den 10.,die Mordnacht in Rheinfelden nach Rochholz, A. S. II, 362, kurz vorAllerheiligen (Anfang November, wie lu. itzts äs8 nrrnourins in Neuen-burg), nach S. 371 aus den 15. Dezember, die von Rapperswyl aufSt. Thomas Abend (21. Dezember), auf den auch die Genfer Escaladetrifft. Wenn nun im Allgemeinen zu Ueberfällen meistens Nächte ge-wählt wurden, so versteht sich, daß die Jahreszeit der länger werdendenund längsten Nächte besonders günstig sein mußte; die langen Abendedes Winters waren aber auch dem Beisammensein der Bürger auf denZunftstuben günstig, welches je nach Umständen zu friedlicher Berathungder öffentlichen Angelegenheiten dienen oder zu Streit über dieselbenführen konnte. In dieselbe Zeit fallen auch eine Reihe kirchlicher Fest-tage, welche seit alter Zeit zugleich Termine des bürgerlichen Lebens waren.Wie weit hier bloßer Zufall walte oder aber sachliche Gründe, kann erstaus den folgenden Vergleichungen des Materiellen der Mordnacht-fagen klarer werden.

Natürlich wurden, um Morduächte oder ähnliche Ueberfälle in's Werkzu setzen, auch besondere Kriegslisten angewandt. Die zum Ein-bruch bestimmten Kriegsleute mußten heimlich an den Ort oder in dieNähe desselben geschafft und versteckt oder verkleidet gehalten werden, bisdas Zeichen zum Losschlagen gegeben war. Besonders beliebt scheint nundas Verfahren gewesen zu sein, die Kriegsleute in Fässer zu verstecken,als ob eine friedliche Waarenladung, zu Schiff oder Wagen, eingeführtwürde. Die Söldner des gegen Zofingen verschworenen Adels wurdenin Salzfässer geborgen; eben solche erscheinen in Stein und Neuenburg;Fässer dienten auch in Wesen den Feinden zum Versteck. In Rapperswylwunden nicht Bewaffnete, aber Waffen in Fässern eingeschmuggelt. Aehn-lich, nur nicht gerade zu einem nächtlichen Ueberfall, ließ Rudolf vonHabsburg zürcherische Krieger in Kisten und Fässern aus Schisse laden.