Jahrgang 
auf das Jahr 1883 (CFM K 59 : 1883 Expl. 2)
JPEG-Download
 

169

AM das Städtchen Glanzenberg einzunehmen. Hans von Rechberg, derVerbündete des Thomas von Falkenstein beim Uebersall von Brugg,überfiel später Rheinfelden, indem er auf Schiffen, hinter deren Holz-ladung Soldaten versteckt waren, von Lauffenburg Herabgefahren kam.-Er selbst und die ihn begleitenden Herren trugen Pilgerkutten über ihrenHarnischen. Als Pilger verkleidet, hatten auch verschworne Rapperswylersich in Zürich eingeschlichen. Solche Mittel wurden gewiß in jenerZeit häufig angewandt; ob dies gerade in allen oben angeführten Fällen-(diese als historisch vorausgesetzt) wirklich geschah, bleibt eine offene Frage;avir haben zunächst nur die stehenden Züge der Erzählungen als solcherzu verzeichnen. Vereinzelt steht der Zug, daß der Müller von Rhein-felden die Gassen der Stadt tief mit Spreu bestreute, damit die Pferdeder einreitenden Feinde nicht gehört werden sollten. Aehnlich erscheintnnderswo das Umwickeln der Pserdehufe mit Filz, Lumpen oder Stroh.

Trotz solchen Vorkehren wären wohl nächtliche Ueberfälle nicht sohäufig gewagt worden, wenn nicht günstige Umstände an den be-treffenden Orten selbst dem Unternehmen zu Hülfe gekommen wären.Dahin gehört natürlich vor Allem Anknüpfung und Einverständniß miteinem Theil der Bürgerschaft selbst oder wenigstens mit einzelnen Per-sonen in der Stadt. In jenen Zeiten, wo die Städte meistens unterinnern Kämpfen sich entwickelten, konnte es nicht schwer sein, eine Parteifür Mitwirkung zu einem Handstreich zu gewinnen. So fanden sich-(immer zunächst abgesehen von dem Unterschied zwischen Geschichte undSage) österreichisch Gesinnte in Wesen, Lnzern und Aarau, gräflich Ge-sinnte in Zürich, burgundisch Gesinnte in Averdon; der verräterischeMüller in Rheinfelden, der dort zugleich Bürgermeister gewesen sein soll,ist schon erwähnt worden. Besonders auffallend ist aber, daß an meh-reren Orten geistliche Personen, Mönche und Chorherren es sind,denen die Rolle der Verräther und Helfer zugetheilt ist: Dominikaner inZofingen, ein Chorherr in Solothurn und in Zürich. Die Mordnachtzu Averdon gelang durch Mithülfe der an der Stadtmauer wohnendenFranziskaner; in Stein drangen die Adeligen bei einem Thörchen des