184
Gassen trieben sich verkleidete Knaben herum, aber auch Erwachsene, zumTheil freilich nur mit übergeworfenen Nachthemden und Nachtmützen, zumAndenken an die stürmische Ueberraschung jener Nacht. Unter den stehendenFiguren erscheint besonders auch eine weibliche, 1a änrns Ho/nnme,darstellend eine Genferin, die im Kampfe einem Savoyarden ihren Topsüber den Kopf warf (daher ein Topf srnnrinits^ auch als Festgerichtund -Geschenk). Gelegentlich wurden auch historische Umzüge mit grö-ßerem Aufwand veranstaltet. Einige Male (so 1754, 1782) wurde dieöffentliche Feier fuspendirt, aus Rücksicht auf die savoyischen Nachbarn,mit denen man längst wieder in freundlichen Verkehr getreten war. Abergerade der Umstand, daß die Savoyarden den Genfern das Geflügel aufihren Markt und Tisch lieferten und die Doppelbedeutung des Wortesäinäon (Trnthahn und Dummkopf) gab immer wieder Stoff zu spöt-tischen Anspielungen. In der Restaurationszeit war das Fest etwas inAbnahme gekommen, seither ist es eher wieder gestiegen, nur hat es seinenstrenger historischen Charakter abgestreift; doch wird noch immer der ver-sammelten Jugend die Geschichte vorgetragen. Unter den zahlreichen älternund neuern Liedern, welche auf diesen Anlaß gedichtet wurden, theilsDank-, theils Spottlieder, einige in I^ntois, ist das bekannteste und be-liebteste das mit dem Anfang Os Inino (oslui esk llaut),dessen 68 Strophen früher bei dem Festmahl regelmäßig abgesungen wurden.
Wenn wir schließlich eine Erklärung der gesammten Bräuche ver-suchen sollen, die sich mit mehr oder weniger Wahrscheinlichkeit auf dasAndenken an Mordnächte stützen, so werden wir allerdings die an meh-reren Orten vorkommende Hindeutung auf Natur und bürgerliches Leben,statt auf Geschichte, aufzugreifen und zu benutzen, aber dabei voreiligeVerallgemeinerung ber Schlüsse zu vermeiden haben, weil ein solches Ver-fahren zu gewaltsamer Deutung einzelner Züge führen müßte. Vondiesem Fehler hat sich Rochholz bei seinen Gesammterklärungen undSchlüssen (A. S. II, 366 ff. bis 372) nicht ganz frei erhalten, währender in der Grundanschauung ohne Zweifel das Richtige getroffen hat.Seine frühern Deutungen einzelner Züge wird er wohl auch nicht mehr