,X»s dem Tagebuche eines alten Zürichers.
Mitgetheilt von Dr. jnr. C. NÜscheler.
Vs gehört zu den Liebhabereien unserer Zeit, die Geschichte frühererJahrhunderte an Hand zeitgenössischer Urkunden zu studiren. Die Tra-dition und spätere Auszeichnungen sind längst außer Curs und der Glaubean dieselben schon dem Elementarschüler genommen. Jeder will mitseinen Altvordern so zu sagen persönliche Bekanntschaft machen, um sieobjektiv und mit Ueberlegenheit beurtheilen zu können. Die Kunst ist dabeimnr die, das, was man etwa ließt, auch dem Sinne, nicht dem bloßenWorte nach, zu verstehen. Auch in dem kurzen Tagebuch-Auszug, welcherHier folgt, gilt es, verehrtester Leser, diese Kunst praktisch zu verwerthen.Unser Memoriale ist nur zu verstehen und in seiner Originalität zugenießen, wenn man sich aus der Zeit der Eisenbahnen, der Mode-Jour-nale und Quincaillerie-Magazine hinwegträumt. Dann bietet er aber in-der That ein gar freundliches Sitten- und Cultur-Bild und läßt einenBlick thun in die Liebesfreuden und den Liebeskummer eines ehrbarenZüricher-Bürgers vor 200 Jahren.
Die Personen unseres kleinen Drama's an sich sind nicht sehr in-teressant, sie machen auch gar nicht den Anspruch, dies zu sein. IhrLiebes-Verhältniß dagegen, von seinen zarten Ansängen bis zur endlichenSanktion vor Gott und aller Welt, ist wohl im Stande, unsere Auf-merksamkeit zu fesseln. Gleichwohl haben wir kurz die Bekanntschaft un-serer zwei Brautleute zu machen.
Der Verfasser des Tagebuches, Salomon Hirzel, geboren am2. August 1641, war der Sohn des Herrn Bürgermeister Johann Caspar