Jahrgang 
auf das Jahr 1883 (CFM K 59 : 1883 Expl. 2)
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Rapperswyl Schutz gewährte und sich am 23. Februar 1350 an der sog.Züricher Mordnacht betheiligte. Hier wurde er gefangen und in denWellenberg gelegt; im Gefängniß dichtete er, wie Etterlin, Tschudi u. A.überliefern, das Lied:Ich weiß ein blaues Blümelein." (Etterlin:derhouptman gras Hans von Hapspnrg der viel über die muren us in derstatt graben, darinnen ward er ergriffen und gefangen, und leit man inin den Wellenberg; da lag er inn dri jar gefangen und macht das liedli:Ich weiß ein blouwes blümelin rc.") Inzwischen zerstörten die ZüricherRapperswyl, und erst am 19. September 1352 wurde der gefangeneGraf auf Urfehde entlassen, worauf er 1354 Rapperswyl an Oesterreichverkaufte.

Tschudi und Etterlin theilen leider nur den Eingang des betreffendenLiedes mit, das zu feiner Zeit allbekannt gewesen fein muß; auch Crusiusin seinen schwäbischen Annalen spricht von demselben. Vermuthlich ist esin der Hauptsache mit dem nachfolgenden, zuerst von Görres (in einererweiterten Fassung) mitgetheilten Liede gleichlautend:

1. Weiß mir ein Blüemli blaueVon himmelblauem Schein;

Es stat in grüener Aue,

Es heißt: Vergiß nit mein!

Ich kunnt es nirgend finden,

Was mir verschwunden gar,

Von Ris und kalten WindenIst es mir worden fal.

2. Das Blüemli, das ich meine,

Ist brun, stat auf dem Ried,

Von Art so ist es kleine,

Es heißt: Nun hab mich lieb!

Das ist mir abgemäjetWol in dem Herzen mein;

Mein Lieb hat mich verschmähet;

Wie mag ich fröhlich sein!