3. Das Blüemli, das ich meine,
Das ist rosinenrot,
Ist Herzenstrost genennet,
Aus breiter Heid' es stat.
Sein' Färb' ist im verblichen,
Der Wolgcmuot hat verdorrt,
Mein Lieb ist mir entwichen,
Verlor'n han ich mein' Hort.
4. Weiß mir ein Blüemli Weiße,
Stat mir im grüenen Gras,
Gewachsen mit ganzem Fleiße,
Es heißt nun gar Schabab.
Das selbig muoß ich tragenWol disen Summer lang;
Viel lieber wollt' ich habenMeins Buolen Armumbsang.
5. Der Ris mit seinem ZeichenVerderbt mengs Blüemli zart;
Kann sich dem Kläffer schmeichenMit ungetreuer Art;
Wol auch nach disem SummerKummt uns der liechte Mai,
Bringt uns die Blüemli wieder,
Der Farben mancherlei.
6. Mein Herz, das leidt in Kummer,
Daß mein vergessen ist;
So Hofs' ich auf den SummerUnd auf des Maien Frist;
Die Risen sind vergangen,
Darzu der kalte Schnee;
Mein Lieb hat mich umbsangen,
Das tust dem Klasfer weh.
Göthe hat bekanntlich auf seiner dritten Schweizerreise 1797 denStoff aus Tschudi's Chronik kennen gelernt; daraus entstand später sein„Blümlein Wunderschön".