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auf dem durch Imitation u. s. f. weiter gebaut werden konnte. Einesder oftmals verwendeten Lieder beginnt mit den Worten Oominsterarne ... weiter ist der Text verloren. Alexander Agricola z. B. hateine fehr ansprechende, niedliche dreistimmige Composition darüber, Pierreäe In Uns und ^oZHrnn haben jeder ein Ltulmt Hinter über diesesThema geschrieben, wie sie auch sonst öfters um die Wette componirten.Eben dasselbe Lied liegt der Mottete ^.ve rogn sine spnnis von Senflzu Gründe. Es ist nicht zu viel gesagt, wenn man dies Werk einesder Meisterwerke alter Musik nennt. Diese ruhige Größe, diese Er-habenheit über alles Gewöhnliche, dieses Kommen und Gehen, wie einPriester, der mit dem Rauchfaß den Altar umwandelt. Hier hat sichdie Musik von allem Irdischen losgelöst; sie ist wie eine Heilige, welche,aus Erden geboren, aber in die ätherischen Regionen erhoben wurde.Und darin liegt auch der Unterschied zwischen Senfl und Palestrina.Denn wenn bei Senfl der Zug nach Oben zur höchsten Vollkommenheitgelangt, so steigen dagegen bei Palestrina die Engel des Himmels zu unsherab, sie berühren die Erde nicht, aber sie schweben über ihr. Unddarum ist Senfl ein Meister der Musik, aber Pierluigi heißt inusiesöpirineeps.
Es ist unsern Lesern nun wohl klar geworden, daß ein Künstlervon dem Range wie Senfl nicht unbekannt bleiben konnte. Es sind unswirklich auch zwei Briefwechsel aufbewahrt, welche auf seine Berühmtheitein deutliches Licht werfen.
Wir halten uns an die chronologische Reihenfolge und nennen zuerstdie Correspondenz mit Luther. Haben wir erst noch vorausgeschickt, daßSenfl der neuen Lehre sich keineswegs anschloß, sondern bis an seinLebensende Katholik blieb, so wird uns das Folgende in seiner ganzenBedeutung klar werden.
Luther befand sich während des Reichstages zu Augsburg auf derFestung Coburg. Von da schreibt erH am 1. Oktober 1530 an Hie-
E) Luthers Briefe bei vs >V6tts, Band 4, Nr. 1313. 1317, Band 6,Nr. 2414.
Zürcher Taschenbuch, 1883.
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