Wilhelm Scherer.
Doch als ich sass, des Trostes so beraubt,Gedenkend seiner, den auch ich verloren,
Da, wie ein Flüstern rauscht’ es um mein Haupt,Und wie aus ferner fremder Welt geboren
Scholl an mein Ohr geheimnissvoller Klang,Mein Herz erfüllend ganz mit heil’gem Grauen:»Ihr, angekettet an der Scholle Zwang,
Könnt nicht die letzten, ew’gen Dinge schauen.
»Ein Funke war vom ew’gen Welten-LichtIn diesem Haupt, und Licht kann nicht vergehen;Ihr seht den Tod, das Leben seht Ihr nicht,
Ihr könnt nur ahnen, aber nicht verstehen.
» Nur ahnen, dass die Menschengeistes-KraftUnsterblich, unverloren weiter schreitet,
Das Lebenswerk, an welchem sie geschafft,
In kommenden Geschlechtern mitbegleitet.«
Denkt seiner so und nennt ihn nicht mehr todt,Denn er gehört der Welt, in der wir leben —
Die Nacht wird hell, es flammt das Morgenroth,Ein neuer Lebenstag will sich erheben.
Ernst von Wildenbruch.