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Briefe Oehlenschlägers an Goethe.
IV. Briefe Oehlenschlägers.
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Paris den May iSoy
ln dem Augenblick da Herr von Herda fertig liehtum nach Deutschland zu reisen, kann ich mich nicht ent-halten Ihnen mein edler Meifter und Gönner einen herz-lichen Gruß zu senden, wobey ich jeziges Gedicht füge,das längfte was ich noch in deutscher Zunge gemachthabe. Möchte es meine Erinnerung in Ihrer Sele zurück-rufen, und die guten Gedancken, die Sie von meine Anlagenzu haben geruhten, erneuern; es wäre gewiß der belleLohn den ich mir wünschen konnte. — Herr von Herda,dessen angenehme Bekanntschaft ich leider erlt ein ParTage vor seiner Abreise gemacht habe, wird Ihnen dochetwas von mir sagen können. — Ich habe ein dänischesTrauerspiel wieder gedichtet: Palnatoke, der Stifter Joms-burgs. Mit Sehnsucht erwarte ich, daß Herr Frommannmir das Mskript -von Aladdin und Hakon Jarl senden soll,damit ich beide umarbeite. Mehrere kleine deutsche Gedichtehabe .ich gemacht, und wäre nicht ungeneigt solche in einelyrische Samlung auszugeben, wenn es Herr Frommanngenähmig seyn sollte, solche auf die selben Conditionenwie Aladdin und Hakon zu verlegen. Diese Samlung konntedann gedruckt werden wärend ich die Schauspiele um-arbeite. Ich bin gesonnen eine Künlllertragedie zu schreiben»Correggio« das dramatische Motif seines Todes kennenSie. Ich habe Vieles noch selbft erfunden Michel Angelound Giulio Romano sollten mit herein, und indem ich
1 Beide Briefe Adam Oehlenschlägers fanden sich in Goethes Auto-graphensammlung, der zweite von Goethe selbst, wie er zu thun pflegte,rechts oben mit dem Namen des Schreibers, in rother Tinte, ausge-stattet. Der erste scheint eine alte Copie zu sein, welche mehrereEigenthümlichkeiten der Oehlenschlägerschen Handschrift nachahmt, aberdem Dänen Sprachfehler anheftet, die wir ihm nicht Zutrauen (z. B.Drabant, Mamondsknochen) und deren willkürliche Apokopen u. s. w.der folgende Originalbrief ausbessern half.