Jahrgang 
8 (1887)
Seite
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Neue Mlttheilukgen.

einen tragischen Contraft des Künftlers mit dem algemeinenLeben darftellte, wollte ich sogleich die Partheigangerei,die Schülerfeindschaften, das impotente Schwazen im Con-traft mit dem fröhlichen gutmütigen und productivenKünftlercarakter bringen. Dieß Stück wollte ich in beidenSprachen dichten.

Ich bin bey der Frau von Stael Holftein gewesen, dieich angenehm und lebendig gefunden habe. Selbiges getraueich mir nicht von ihren beiden Trabanten die HerrenSchlegel zu behaupten, die mir wie ein Par verfteinerteMammonsknochen von der anorganischen Riesenzeit Vor-kommen; es sind petrifizierte Titanen, deren geftoßenesGebein keinen Nuzen mehr in der litterairen ApothekeDeutschlands machen kann, und doch wollen sie nochimmer die Götter beftürmen.

Übrigens bringe ich mehrftens meinen Tag so zu.Morgens dichte und arbeite ich bis Eins, dann habe icheine französiche Stunde noch immer meiner Sünden wegen,dann geh ich ins Museum bis 4; dann esse ich allerleyfranzösische Sachen in den Leib herein, und dann gehich sehr oft in die Comoedie, die hier vortrefflich ift. Indie Tragoedie gehe ich selten, denn Talmas Talent ver-mag nicht mich mit der Abgeschmacktheit und Affektationdes Ganzen zu versöhnen.

Wie oft wünsche ich mich nach Weimar auf einigeStunden wo das gaftfreie Salve mich so freundlich einlud,bis es von die Füße wilder Scharen ausgelöscht wurde;aber jezt fteht es gewiß wieder neu aufgefrischt. Derfriedliche Weihrauch winkt wdeder und lockt zum kleinenattischen Tempel Deutschlands, wo Goethes Leben belebt,Schillers Geift begeiftert. Der gräßliche Augenblick istvorbey; die Verwundeten Herben jezt wdeder einen Schein-tod auf Thespis leichtgezimmertem Wagen, der nur Schattenund Idole tragen kann, und die grause Wirklichkeit iftwie ein flüchtiges Trauerspiel, das nur augenblicklich gau-kelt, mit allen den übrigen von den Brettern verschwunden.