Briefe Oehlenschlägers an Goethe.
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terung und nicht solche gemeine feindselige Animositätverdiene, womit ein Anonymus mir neulig in der elegantenZeitung begegnet hat. Nichts, darin schmerzt mich, alsdaß er sagt: ich habe mit Anmaßung in schlechten Versenzu Ihnen gesprochen. Doch, um so etwas muß man sichnicht kümmern. Man muß von diesen Leuten sagen wieOvid von den' Fröschen:
»Quamquam sint sub aqua, sub aqua maledicere tentant«.
Aber, mein geliebter Gönner! wollen Sie mir wohl dieunsägliche Freude machen eine Recension über meinenAladdin zu schreiben? Sind Sie doch Schuld daran daßer im Deutschen ausgekommen ift. Eine solche Recensionwollte mich als Mensch außerordentlich freuen, als Dichteraußerordentlich wehrt seyn und als Bürger außerordentlichnutzen. Die Herren Hause verliehen bitter wenig vonder Aefthetik. Wenn Sie mich herunter gerissen in einemdeutschen Blatte sehen, werden Sie sagen: Que diablevouloit mon fils ä cette galere? Sehen sie dagegen eineRecension von Ihnen werden sie sagen: A la bonheur!c’est une autre chose!
Keiner kan bedingter über meinen Aladdin sprechenals ich. Es ift ein Gedicht, und zwar das belle, in meinerelften Manier um so zu reden. Dieses Gedicht ift umge-arbeitet und verbessert in einer Zeit wo ich schon in meiner%weiten Manier war; ich wollte als Kiinftler wenig Sinnfür Individualität beweisen wenn ich dem Gedichte dieseManier hatte aufdringen .wollen; welches- sich mit demStoffe gar nicht ohnedem thun ließ; ich habe es nur besserübermahlt, es auch einen dunkleren Hintergrund gegeben,damit das Bild sich edler und ehrwürdiger ausnehmensollte. .Meinen Hakon, das erfte Werk der zweiten Manier(Manier ift ein schlechtes Wort, aber lassen wir das sohingehen, sie verstehen mich doch)' kennen sie — zumTheil. Es war unmöglich den wahren Gliederbau durchdie lumpige Hülle, die er damals hatte zu erkennen. Nur