Jahrgang 
8 (1887)
Seite
16
JPEG-Download
 

1 6

Neue Mittheilungem.

die Poesie konnte einiger rnassen durchschimmern. Jeztist Hakon besser übersetzt, hat mehr Gedrungenheit, Deut-lichkeit und Kraft erhalten. Mein zweites Stück Palnatoke(der Stifter Jomsburgs) ift auch völlig übersetzt, und nochleichter aufzuführen. Diese zwey Stücke soll Cotta haben;ich hab eigentlich keinen Accord mit ihm geschlossen;er giebt mir 800 Thaler voraus und berechnet mir nach-her die Einnahme; damit bin ich zufrieden. Mein letztesTrauerspiel ift Axel und Walborg; eine Liebestragoedie.Hier ift sogar die Einheit des Orts und der Zeit, obschoneben so viel Bewegung und Handlung darin vorkommtwie im Hakon; dieses Stück wird bey den Damen ammeisten Glück machen. So habe ich nun in Aladdin: dasGlück, in Hakon die Religion, in Palnatoke den Staat, inAxel und Walborg die Liebe dargestellt. Nun will icheinen Correggio in Rom machen da soll dieKunß kommen;und dann wage ich mir vielleicht einen Sokrates zudichten, wo die Philosophie, oder eigentlich die Lebens-weisheit zum Vorschein kommen sollte. Einen Albert Juliusoder Eelsenburg möchte ich auch machen wo das Roman-tische wieder sein Recht behaupten sollte. Einen Taden-schild werd ich auch machen als Heldenlnßspiel. Sie werdenüber alle die Pläne lächeln aber etwas wird doch herauskommen dabey.

O wie hat mich der erhabne Faust, und der götter-gleiche Achilles gefreut und begeiftert. Edler Meifter! obsie mit Farben auf Glas mahlen, oder mit dem Meisel dasMarmor bearbeiten, sind Sie immer der große unfterblicheJohan Wolfgang Goethe! Gott sey lob daß so ein Bey-spiel vor uns jungen Menschen dafteht; das giebt Muth,denn es zeigt was ein Mensch werden kan.

Man sagt daß Sie in Carlsbad einen Roman geschriebenhaben sollen. Ist das wahr? O wie ich in Werther imFrühlingswalde ging umgeduftet von Blumen durchgeblasenvon Frühlingsfturm und benetzt von Frühlingsregen, wieder Sommerschatten mich in Wilhelm Meifter mich labend