Jahrgang 
8 (1887)
Seite
23
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Briefe Herders und der Herderschen Familie an Goethe. 23

flehen und uns einander also auch helfen müssen, soweit esangeht. Die Erinnerung des Ueberftandnen wird für unsalle süß u. fruchtreich werden.

Lebe wohl, Lieber, und gehe deinen Studien nach,ohne dabei lebendige gute Menschen zu verabsäumen. Em-pfiel mich dem Herz, und der Herz, und sprich sonst dasBefte für mich, wo Du kannft: denn viele wird gewißmeine Reise ärgern, und es müssen nothwendig schiefeUrtheile gefällt werden. Sie kümmern mich indessen nicht:denn in Rom lebt man nur für das Gegenwärtige und fürheute.

Lebewohl und empfiehl mich der Er. v. Stein aufsschönfle und befte. Angelika und alle grüßen dich, mitdenen Du hier gelebt haft; so gar ein Sonnet, das manauf Dich in der Arkadia vorgelesen hat, habe ich ehegefternmir vordeklamiren hören. Valeto. 1

io 2 .

Rom, den 27. Dec. 88

Ich kann das alte krume Jahr 88. nicht beschließen,ohne daß ich Dir noch von Rom aus ein Lebenszeichengebe, mein Lieber. Wir haben hier dummes Wetter undeinen erbärmlichen Winter; das macht nun jeden unmuthigund unluftig, der nicht daran gewohnt ift, die Herzoginnausgenommen, die immer gesund, vergnügt, und guterLaune ift, wie es ihr denn auch in Allem recht wohl gehet.Geftern hat ihr der Pabft ein Präsent gemacht, das siedenn wohl selbft beschreiben wdrd; weil ichs, da ichgeftern den ganzen Tag im Bett zubrachte, selbft nochnicht gesehen habe, kann ich nichts davon sagen, als daßes jedermann lobt und daß sie darüber sehr vergnügt seynsoll. Außerdem beschäftigt sie sich sehr mit der Musik,wie ihr denn auch schöne, und ich möchte sagen, dietreflichften Sachen gegeben werden, die Italien besitzet.

1 Auf der Rückseite: An Göthe

2 3 Seiten 8°, auf der 4.: An Göthe.