Jahrgang 
8 (1887)
Seite
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Charlotte v. Schiller an Goethe.

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Ich hoffe, daß das Andenken an mich, und meineKinder länger in Ihren Herzen ausdauern wird, als dieseleichte Arbeit. Doch sey es Ihnen indeß nur ein Zeichen,daß ich gern habe, wenn Sie unser denken. Ich hoffe daßSie Carls Freund in spätem zeiten auch bleiben, undwenn er den männlichen Alter entgegen geht, wird erIhnen wieder gleichartiger werden als in den lezten jahrenhier der Fall sein konnte, weil Sie zu verschiedne Geschäfte,u. also auch Ansichten haben mußten und während Siedem ernftern nachftrebten, er noch mit den Begriffen seineskindischen Alters im Streit war. Wenn er erff fühlenlernt, daß nicht allein Antheil und liebe, sondern auch einvereintes Fortftreben und Fortschreiten, Freunde anei-nander feßelt, so w r erden sich beyde Gemüther in reifemAnsichten wieder vereinigen, und so zusammen einemZweck entgegen ftreben, zum Guten der weit mitzu-wirken.

Ihrer verehrten Frau Großmutter sagen Sie, daß unterden wenigen wünschen, die ich noch, für mich selbft fürdas leben im Herzen hege, dieser, sie kennen zu lernen,nicht der kleinfte ift. Sie ift mir in so vieler Rücksichtschon lieb u. werth.

Ihr lieber Vater ift heut nach Jena, ich hoffe er findetdort mehr Spuren des Frühlings als hier, denn uns raubtder Sturm immer wieder die Hofnung zum beßern wetter.Aber Sie wißen daß in Jena welches die Berge schüzender Frühling immer früher erscheint. Carl und Ernft grüßenSie herzlich, und bitten um ihre liebe. Wenn Sie nachHeidelberg kommen, so sagen Sie unsern Profeßor Voßrecht viel herzliches von mir. Ich erwarte in diesen tagenseine Freunde. Erzählen Sie ihm auch, daß ich in Angftwar um die Gesundheit meines Schvragers, aber jezt habeich beßre Nachrichten, auch meine Schwefter hat in Frank-furt schon beruhigendere Nachrichten gefunden, und iftda mit Adolf einem frohen wieder sehen in Paris, ent-