Jahrgang 
8 (1887)
Seite
55
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Körner an Goethe.

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belleigen ohne Verdacht zu erregen. Er bekommt meineBriefe nicht, und sein letzter ift auch über 8. Wochen alt.

Auf den letzten Band des Meifters warten wir alle mitSehnsucht. Er erscheint doch noch in dieser Messe?

Unser Gallerie Inspektor Riedel hat neuerlich einegroße Kränkung gehabt. Hirt kommt aus Rom hieherund docirt auf gut Berlinisch über die bellen Stücke derGallerie, erklärt die Venus von Tizian für eine sehr mittel-mäßige Copie, spricht mit Geringschätzung von andernGemählden der erften Meiller, sucht zwischen den Fenfternund in den verborgenden Winkeln allerley heraus, was erfür das wichtigfte ausgiebt und diese Orakelsprüchesammelt die Fürftinn von Dessau, um sie ihrem Tagebucheeinzuverleiben. Wie mag es da manchem armen Reisendenin Rom gehen, wenn er in solche Hände fällt! Und Hirtgalt für einen der bellen Ciceronen.

Cellini interessirt uns noch immer sehr. Das sonder-bare Gemisch von Wildheit und Gutmüthigkeit, das somanchen Stoff zum denken giebt, zeigt sich auch in demneuften Fragmente. Graf Geßler hat in der Kunllsammlungdie er auf Ihren Rath auf dem Schloße in Bayern besehenhat, dessen Sie gegen uns erwähnten, auch eine Arbeitvon Cellini gefunden.

Schiller hat mir lange nicht geschrieben. Ich weißdaß er jetzt sehr beschäftigt ift, und wegen seiner Gesund-heit beruhigt mich ausser Ihrem Zeugniß ein Brief vonseiner Frau.

Tausend Empfehlungen von den Meinigen. Leben Sierecht wohl, und erfreuen Sie uns bald wieder durch einenBeweis Ihres Andenkens.

Dresden den 28. Sept. 1796. Körner.

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Der Reisegesellschafter des Grafen von Geßler, Hof-rath von Senfft, hat die Absicht sich ein Paar Tage inWeimar aufzuhalten, und bittet mich seinetwegen an Sie