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Neue Mittheilungen.
zu schreiben. Es ift ein junger Mann, dem es gar nichtan Kenntnissen und Empfänglichkeit für das Gute fehlt.Auch wird er Ihnen manches von Meyer und Graf Geßlererzählen können. Er kommt eben jetzt aus Italien zurück,um einer Engländerinn, die er in Neapel kennen gelernthat, und die er zu heyrathen denkt, die Stätte zu bereiten.Graf Geßlern erwarte ich späteftens zu Ende des Sommers.
Vor einigen Tagen wurde uns eine Hoffnung ver-eitelt. Wir glaubten, Sie würden den Herzog begleitethaben. Dürften wir Sie diesen Sommer nicht noch er-warten? Zu einer Reise nach Italien ift es noch immer zuzeitig. Auch sollte Hero und Leander noch vorher fertigwerden.
Uns verlangt sehr nach Herrmann und Dorothea undbis Michael können wir uns unmöglich gedulden. EineAbschrift haben Sie doch wohl bey sich, wenn Sie nochdiesen Sommer zu uns kommen?
Dora mahlt jetzt auf der Gallerie, und es scheint ihrgut -zu gelingen. Wir haben diesen Sommer viel Künstlervon Talent hier, Grassy, Hueras einen Portugiesen, Schön-berger, einen braven Landschaftsmahler.
Leben Sie recht wohl. Minna und Dora empfehlensich Ihrem Andenken.
Dresden den 25). May i’/yy. Körner.
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Die verlangten Opernbücher habe ich erft heute er-halten, sonft würde ich Ihren Auftrag schneller besorgthaben. Sie erhalten dadurch zugleich eine Probe von derWachsamkeit der hiesigen Theater-Polizey über die Sittenbesonders der Prinzessinen. Die Prinzessinn von Amalfi,welche das Aergerniss giebt sich in ihren Pagen zu ver-lieben, ift in eine Gräfin, und der Page in einen Pagen-hofmeifter verwandelt worden.
Auf Herrmann und Dorothea warte ich wie die Kinderauf Weihnachten. Humbold verspricht mir die Aushänge-