Jahrgang 
8 (1887)
Seite
60
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Neue Mittheilungen.

meines Sohnes vorlegen zu können. Er wird noch dieAufführung dieses Stücks in Wien abwarten, das jetzt beydem Theater an der Wien einftudiert wird. Grüner, dersich in Weimar gebildet hat, übernimmt den Zrini, undnach dem, was ich in der Rolle des Mahomet und desTeil von ihm gesehn habe, erwarte ich viel Gutes. MitEintritt des Winters wird mein Sohn zu uns kommen, unddann nach Weimar eilen, wo er etwas für das dortigeTheater nach Ihrem Rathe zu liefern wünscht.

In Wien habe ich viel Gutes genoßen, und viel Merk-würdiges gesehen. Die Stadt ist mir lieb geworden, weilder dortige Aufenthalt sehr wohlthätig auf meinen Sohngewirkt hat. Unsere Reise war glücklich, und es thut unsnur Leid, daß die Hoffnung Sie zu sprechen, vereiteltwurde. Meine Verhältniße haben sich hier verändert. Ichbin wieder thätiges Mitglied des Appellationsgerichts, undhabe meine Referendarstelle aufgegeben. Dieß macht esmir leichter im Sommer kleine Reisen zu unternehmen.Ihnen droht daher ehestens ein Besuch, wenn Sie nichtbald zu uns kommen.

Die Meinigen empfehlen sich Ihnen bestens.

Dresden am 24. Sept. 1812. Körner.

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Ueberbringerin dieses Briefs ist Frau Gräfin von Vay,geborne Gräfin von Wartensleben, eine sehr angenehmeFrau, die ich in Wien bey Herrn von Humboldt kennengelernt habe. Nach dem Tode ihres Gemahls, eines Ungarn,hat sie mehrere Jahre in Italien zugebracht, und sehr fürdie Kunst gelebt. Sie werden über vieles mit ihr sprechenkönnen. Jetzt macht sie eine Reise nach Holland zu einer Tante. '

Ihre gütigen Äusserungen wegen meines Sohnes inIhrem letzten Briefe erkenne ich mit lebhaftestem Danke,und wünsche meinem Sohne Glück zu der freundlichenAufnahme, die er von Ihnen zu erwarten hat. Mein Wunschwar bloß, daß er sich Ihnen oft nähern dürfte, und den