Körner an Goethe.
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Weg zu Ihnen wird er aus jeder Wohnung finden. Er istin diesem Punkte nicht verwöhnt, und Annehmlichkeitenmancher Art werden ihm in Weimar nicht fehlen. Uebri-gens ist seine Abreise von Wien neulich wieder verzögertworden, da die Aufführung des Zrini wegen dortiger TheaterVerhältniße erst in der Mitte des Januars erfolgen kann.
Die Censur des Theaters in Wien verfährt nicht ganzconsequent, findet manchmal Anstoß ohne Grund und istoft weniger bedenklich, als man glauben sollte. Ich binbey einer Aufführung des Mahomet gewesen, wo Stellenstehen geblieben waren, die ich nicht zu hören erwartete.Das Publikum verdirbt oft die Sache, indem es bey Stellenklatscht, die einer Anwendung fähig sind, und die Censurdadurch zum Streichen nöthigt.
Die Aufführung der Braut in Weimar hätte ich wohlsehen mögen. Hier wurden beyde Rollen verfehlt, die älteredurch Mangel an Humor und die jüngere durch Uebertreibung.
Die Meinigen empfehlen sich Ihrem Andenken bestens.
Dresden
r. „ Körner.
am i]. Dec. 1812.
VIII. Briefe W. v. Humboldts,
1 Brief der Caroline v. Humboldt, nebst einem Anhänge:Aus Briefen W. v. Humboldts an Riemer.
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Freitag Morgen [21. Nov. 94.]So sehr ich mich freute, den heutigen Mittag in IhrerGesellschaft zuzubringen, so leid thut es mir jetzt, auf dießVergnügen Verzicht thun zu müssen. Aber eine Unpäß-lichkeit, die zwar nicht bedeutend ift, aber doch leichtzunehmen könnte, wenn ich sie nicht ein wenig abwartete,nöthigt mich, meine Reise nach Erfurt noch aufzuschieben.Wann ich sie nun werde vornehmen können? weiß ichzwar selbft nicht. Aber auf alle Fälle werde ich alsdann