W. v. Humboldt an Goethe.
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Er eitag [Ende Jan. p/J
Da unser Freund Jacobi gerade zu Ihnen fährt, sobenutze ich diese Gelegenheit, Ihnen einen skelettirtenPfau zu schicken, der Sie vielleicht gerade jetzt interessirt,weil Sie wahrscheinlich Sich nun bald mit dem ofteo-logischen Schema für die Vögel beschäftigen. Es sind dieErftlinge meines Skelettirens, und ich muß Sie daherbitten, zu verzeihen, daß, er trotz der Hülfe des Meifters,die ich noch in etwas mit hinzugenommen habe, nichtbesser und reinlicher ausgefallen ift.
An die Beschreibung des Bocks habe ich mich nochnicht gemacht, weil ich es für nothwendig halte, vorherdurch Ihre hier zurückgelassnen Abhandlungen mit demGeift Ihrer Untersuchungen vertraut zu werden. In künf-tiger Woche wird das Abschreiben geendigt seyn, unddann gehe ich unverzüglich an eine nahe thätige Theil-nahme. Indeß sammle ich allerlei, vorzüglich Schädel, daich gern eine monographie des Keilbeins zu Staude brächte,und auch vielleicht die Vergleichung eines zwar einzelnen,aber doch so wichtigen Theils, als der Schädel ift, nichtunwichtig wäre. Anfangs werden die Fortschritte in diesemfür mich so fremden Felde freilich langsamer seyn, aberich rechne auf fortdauernden Fleiß, und ich kann es Ihnennicht beschreiben, welche Freude Sie mir durch die Er-laubniß gemacht haben, Ihnen auf Ihrem Gange folgenzu dürfen.
Meine Frau erinnert sich mit lebhaftem Vergnügender Tage, die Sie hier zubrachten, und bittet Sie um dieFortdauer Ihres freundschaftlichen Andenkens. Unser Kleinerscheint die Blattern recht gut zu beftehen. Wenigftens ifter nicht kränker, als die Umftände es selbft mit sich bringen.Tausend herzliche Empfehlungen an H. Prof. Meyer.
Humboldt.