Jahrgang 
8 (1887)
Seite
122
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Neue Mittheilungen.

in seinen Schachten und Erdgängen nachkomme. Sie wißendoch daff Herder noch in Darmftadt und an unsre Flachs-land verheurathet ift. Leben Sie wohl und gedencken Siemeiner in liebe, am 7 Apr. 1773. Goethe.

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An Hopfner. (April 1774-)

Lieber Hopfner, da schick ich euch einen Frankfurter,der ein braver Mensch ift, wie ihr ihm ansehn müfft. Erift eures Beyftandes Werth, und er bedarf sein. Jura willer ftudiren, ich bitte euch macht daff er Geschmack dranfindt. Er hat viel Fleis, viel Talente und eine gute Seele,seine häuslichen Umftände sind nicht die heften. Sprechtihm Muth und Troft zu, und ich kenn euch und habschon zuviel gesagt.

Euerm Weiblein ifts doch wohl an eurer Seite, undEuch? Merck ift fort. Ich treib ein unruhiges Leben, undvergeffe meine Freunde nicht.

Ich dachte diese Messe als Autor dem geehrten Publikoeinen abermaligen Reverenz zu machen, ift aber in Brunnegefallen. Lebt wohl, und grüfft eure Liebe herzlich.

Goethe.

Die zwei vorstehenden Briefe Goethes an Hopfner sindmir von der Besitzerin derselben, Fräulein Marie Poten inHannover, durch gütige Vermittlung und Empfehlung derFrau Geh. Räthin Helene Waitz, im Original übersandt undderen Abdruck freundlichst gestattet worden. Die Besitzerin istdie Enkelin von Frau Rehberg, der Tochter Hopfners, und hatdie Briefe aus deren Nachlass. Dm Originale waren schonvon W. Scherer benutzt worden, der die Absicht hatte, dieBriefe der Berliner Akademie vorzulegen, durch seinen Todaber an der Ausführung dieser Absicht gehindert wurde. Vonden Vorarbeiten zu dem Commentar, mit welchem Schererdie Briefe zu begleiten gedachte, ist bisher nichts aufgefundenworden.

1 Quartbogen; 1 Seite beschrieben; ganz eigenhändig. Adresse:An Herrn / Professor Hopfner / nach / Giessen. Rothes Siegel mit einemgrossen lateinischen G.