Dreizehn Briefe nebst einem Fragment Goethes.
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Die erste Begegnung Goethes und Hopfners ist ver-schieden erzählt; als glaubwürdigster Bericht darf wohl derdurch Scherer G. J. VI, S. 345 fg. mitgetheilte gelten. DasJahr 1772, eben das Jahr der ersten Begegnung, war zugleichdasjenige eines reichen Zusammenlebens, denn Hopfner war— auch in diesem Punkt gibt also Goethes Erzählung dasRichtige — an den Frankf. geh Anz. stark betheiligt undwusste besser als mancher Andere, um die literarischen Ge-heimnisse des Kreises (vgl. Scherers Einl. z. Dtsch. Lit.-Denkm.7. 8. S. XXXVI u. XLVI, die z. Th. durch das Folgende be-richtigtwerden). Bei der geringen Entfernung zwischen Frankfurtund Giessen waren gegenseitige Besucheleicht zu bewerkstelligen;von einem solchen Hopfners in Frankfurt berichtet Schönborn(12. Okt. 1773) in seinem bekannten Briefe an Gerstenberg( in demselben Briefe über Goethe: »Seine Stube ist vollerschöner Abdrücke der besten Antiken«), vielleicht über den-selben im Briefe an Raspe, April 1774, vgl. Hempel XXII, 346.Unser erster Brief ist besonders wichtig durch die Notizüber Spinoza: Goethe erhielt ihn also bereits damals vonHopfner durch M.[ercks] Vermittlung. — Die »wunderbareZusammentreffung der Gestirne« spielt auf eine Zusammen-kunft schöner Geister an, wie sie damals in Frankfurt oderin der Nähe häufig statt fand. Solche Vereinigungen nenntGoethe gelegentlich »Congress« (Merck 1. Briefs. S. 69, 1775)und die Freunde adoptiren das Wort, z. B. Bölling (1777,Merck, 2. Briefs. S. 88). Unser Congress fand wohl AnfangsApril in Frankfurt statt. (Über die Theilnehmer s. unten.)Ostern hätte Goethe Hopfners Besuch gewünscht (denn somuss man die Stelle »und auf Ostern hätten Sie kommen sollen«wohl auffassen, wenn man nicht etwa »Sie« trotz des grossenAnfangsbuchstabens auf die Erfurter beziehen will). Nun war1 773 Ostern am 11. April, das Fest wird in unserm Briefeals vergangen angesehen, schon deswegen ist das Datumverdächtig. Dass es aber gewiss unrichtig ist (d. h. vonGoethe verschrieben, denn im Original steht deutlich: Apr.),geht aus zwei Thatsachen des Briefes hervor, die sich be-stimmt datiren lassen: Mercks Reise und Herders Heirath.Letztere war am 2. Mai 1773 in Darmstadt erfolgt, Herdermag noch ein paar Tage in Darmstadt geblieben sein undging dann Uber Frankfurt, wo Goethe ihn erwartete (D. j. G.I, 367. 368), nach seinem Bückeburg zurück; Merck unter-nahm gleichfalls Anf. Mai mit der Landgräfin von Hessenund den Darmstädtischen Prinzessinnen eine Reise nach Russ-land, die ihn für mehrere Monate Goethes Gesichtskreis entzog.(DUntzer, Goethes Leben, 2. Aufl. S. 181 gibt den 7. Maials Tag der Begegnung Goethes und Mercks in Frankfurtan ; nach unserm Briefe ist es der 6.)