Jahrgang 
8 (1887)
Seite
137
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Dreizehn Briefe nebst einem Fragment Goethes.

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II 1 .

An Stieler. 26. Juni 1829.

Ew. Wohlgeb.

Habe mit Vergnügen zu ver-melden dass gestern den 25. d. M. das sehnlich erwarteteBild glücklich angekommen; für meine Kinder und Dr.Ecker-mann würde sich eher ziemen dankbar zu vermelden wiees in unserm Kreise vergnüglich aufgenommen worden,ich - aber von meiner Seite kann so viel sagen: mir ist dabeydas Gefühl: es müsse der treffliche Künstler ein wahrhaftesWohlwollen gegen mich, und eine herzliche Erinnerungan seinen hiesigen Aufenthalt mitgenommen haben, umdiese Nachbildung mit solcher liebevollen Zärtlichkeitauszustatten.

Legen Sie Ihro Majestät meine unverbrüchliche dank-bare Anhänglichkeit an schicklicher Stunde zu Füssen. Wennwir Höchstdemselben, geleitet durch die gnädigst mitge-theilten Gedichte, auf Schritten und Tritten des Lebensbescheidentlich folgen dürfen, so haben wir mit wahrereJubel, auf seiner letzten Reise, unter den Seinigen uns anihn angedrangt.

Die Frage wegen der Erscheinung des Hellblauen undandrer Farben in der Dämmerung war schon einmal zwischenmir und Boisseree ventilirt; ich erinnere mich dass er mitmeiner Auslegung nicht zufrieden war. Ich suche die da-mals gewechselten Papiere wieder auf, denke die Sachewohl noch einmal durch, und vermelde das Weitere. Ge-denken Sie mein bey jeder Farben Harmonie, so komm ichIhnen niemals von der Seite.

Veranlassen Sie Herrn Nickel das Instrument wenn esfertig ist, nur alsobald abzuschicken; mit Gläsern bin ichversehen und weiss dass es eine chicanose Sache ist sie zubereiten, weil ihr Gelingen von Zufälligkeiten abhängt.

1 Quartbogen, 3 Seiten beschrieben, dictirt. Unterschrift eigen-händig. Das Siegel ist schwarz. Adresse: Des Herrn / Hofmaler Stieler /Wohlgebornen / nach / München / frank