Jahrgang 
8 (1887)
Seite
183
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G.v.Loeper: Zu Goethes Gedichten «Trilogie derLeidenschaft«. 183

schieden. Ulrike, früher Stiftsdame zum heiligen Grabe, istunvermählt geblieben; gleich ausgezeichnet durch Verstandwie durch Herzensgüte, bildet sie den Mittelpunkt eineswohlthätigen Kreises in Trziblitz, dem KlebelsbergischenGute, welches ihr nach dem Ableben ihres Stiefvaters 1858und dem ihrer Mutter am 10. März 1868 zugefallen ist.Auf ihr Medaillon, auf welchem Goethe sie einst »liebreizend«genannt, hat sie geschrieben »jetzt liebespendend«.

Aus der Zeit nach 1823 sind in Weimar überhaupteilf Briefe der Frau von Levetzow gefunden worden. Wirlassen als a) und b) die beiden darunter befindlichen Nach-schriften der Ulrike und einen längern Brief der Mutterfolgen, weil derselbe, im übrigen den andern Briefen ähnlich,Beschreibungen der drei Töchter enthält.

Mit der mütterlichen Charakteristik stimmt die Schilde-rung überein, welche die Elegie in den Versen 91 bis 102von Ulrike giebt. Die Worte sind ihr selbst in den Mundgelegt, wie »tiefe Lehren der Weisheit, die von Kinder-lippen schallt«. Sie war immer kindlich und dadurch un-überwindlich, sie war, was sie war, ganz, eine ungebrochnenaive Natur und dadurch dem Dichter und seiner ewigenJugend verwandt. Bezeichnend hatte dieser ein Divans-gedicht von der Erhebung über das Alter und seine Mängelam Tage obiger Fahrt nach Elbogen »erneuert«, mit demSchlüsse: »Mir bleibt genug! Es bleibt Idee und Liebe!«

Die beiden Nachschriften lauten:

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Dresden, 2S. August 1824.

Geehrter Herr Geheime Rath. Heute vor einem Jahrehatten wir das Vergnügen beinahe den ganzen Tag mitIhnen in Elbogen zuzubringen, damals nahmen wir unssehr in Acht das öffentliche Geheimniss nicht durch Wortezu ..entheiligen, da Sie unsere Gefühle in unsern Mienenlesen konnten; heute ist es anders, aber gewiss nicht besser,denn wir entbehren das Glück in Ihrer Gesellschaft zu