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Abhandlungen.
in Gera, 2. November 1778: »Um diesen Teich, den einEngel nur selten bewegt, harren Hunderte viele Jahre her,nur Wenige können genesen, und ich bin der Mann nicht,zwischen der Zeit zu sagen: steh auf und wandle!« (derTeich Bethesda bei Joh. 5, 2 ff.). Eben so häufig, als diechristlichen Urkunden, oder noch häufiger vielleicht, schwe-ben ihm die Begebenheiten und Aussprüche des AltenTestamentes vor, die jetzt dem Gebildeten, mit Ausnahmeetwa der Genesis und des Exodus und einiger Psalmen,fremd und unbekannt zu sein pflegen. Er schreibt den2. December 1776: »Ich preise die Götter, die uns beiden Schöpfen fassen und uns gleich jenen Propheten mitunsern Reisbreitöpfen abseits tragen« (Vom Drachen zuBabel 32 ff., wo der Prophet Habakuk zu Daniel in derLöwengrube getragen wird), 1777, 10. December: »Mitmir verfährt Gott, wie mit seinen alten Heiligen und ichweiss nicht, woher mirs kommt. Wenn ich zum Be-festigungszeichen bitte, dass möge das Fell trocken seinund die Tenne nass, so ists so« (Richter 6, 36 —40, Gi-deons Bitte um ein Zeichen, die ihm der Herr gewährt),und Tags drauf: »und ich kam mir vor, wie der König,den der Prophet mit dem Bogen schlagen heisst und derzu wenig schlägt« (2 Kön. 13, 17—19, der Prophet Elisa undder König Joas von Israel). Das schöne Gleichniss in demBriefe aus Berlin, 17. Mai 1778: »Sonst war meine Seelewie eine Stadt mit geringen Mauern, die hinter sich eineCitadelle auf dem Berge hat. Das Schloss bewacht ichund die Stadt liess ich in Frieden und Krieg wehrlos: nunfang ich auch an die zu befestigen — wärs nur indessgegen die leichten Truppen« — ist doch nur. eine weitereAusführung von Spr. Sal. 25,28: »Ein Mann, der seinenGeist nicht halten kann, ist wie eine offene Stadt ohneMauern«. An Frau von Stein, 24. Juni 1779: »Sie thunsehr wohl, dass Sie mich durch Ihre Raben speisen lassen,Morgens und Abends, denn es ist doch eins der sicht-lichsten und gemessensten Zeichen, dass man im Himmel