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dieß wurde ihre Erlegung, wie wir nuten sehen werden, in eineräußerst großen Zahl von Fällen erlassen.
Der Beginn der letzten Periode, endend,mit der totalen Umwälzungaller politischen Verhältnisse in der Eidgenossenschaft, welche die Invasionder Franzosen im Jahre 1798 mit sich brachte, ist etwas schwierigergenau zu bestimmen; man kann schwanken, ob man ihn auf das Jahr1545 ansetzen will, wo der Rath der Zweihundert, um dem Anwachsender Bürgerschaft zu steuern, dem engern Rathe das Recht der Bürger-annahme von Landesfremdcn zum ersten Male wegnahm und es für10 Jahre sich selbst vorbehielt, oder ob man diesen Abschnitt mit 1560beginnen lassen will, wo zum ersten Male der Zugang zum Bürgerrechtfür ein Jahr gänzlich verschlossen wird. — Doch dürste es richtigersein, das letztere Jahr zu wählen, da dieser dritte Zeitraum sich dochvorzugsweise durch die allmälig angestrebte und endlich durchgeführteMaßregel des Abschlusses der Bürgerschaft, der Unzugänglichmachungdes Bürgerrechtes in der souveränen Stadt charakterisirt. Diese unddie Zünfte hatten ihr Vermögen so sehr gemehrt, das regimentsfähigeBürgerrecht der Erstern war die Leiter zu so vielen Staats-Aemternund Würden, zu Offiziersstellen in einheimischen und namentlich imkapitulirten Dienste fremder Mächte und zu geistlichen Stellen undPfründen in und außer dem zürcherischen Gebiete geworden, daß derMitantheil an all diesen Gütern, Vorzügen und Vorrechten ein Werth-objekt war, das man nicht mehr gerne mit Vielen theilen wollte, umso weniger, als die Zahl der bereits vorhandenen Mitberechtigten denndoch groß genug war, um für alle Stellen und Aemter eine genügendeZahl von passenden Bewerbern zu bieten. So schloß im Gegensatz zurfrühern Praris, da sie sich stets durch neue würdige Elemente ausihren untergebenen Landeskindern, aus Eidgenossen der andern Ständeund aus Landesfremden erfrischt und gekräftigt hatte, die herrschendeKaste sich gänzlich von ihren Unterthanen ab, und statt durch Offenhaltendes Bürgerrechtes, jeweilen für die würdigsten ihrer Landesangehörigenden Ehrgeiz unter diesen zu spornen und wach zu halten, legten die