Jahrgang 
auf das Jahr 1881 (CFM 1135)
Seite
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Unter seinen Collegen waren es die sogenannten Empiriker, welchesein Wirken mit der Behauptung erschwerten, man sei, bei der Ver-schiedenheit der Klimate, zu der Ausübung der Arzneikunst in der Schweiznicht befähigt, wenn man die Anfangsgründe derselben nicht ebenhiergelegt habe. Sie wiesen dabei hohnlächelnd auf die englische Perrücke,.welche Zimmermann von Göttingen gebracht hatte.

Auch wurde ihm vorgeworfen, es mangle ihm Beobachtung undAufmerksamkeit, er unterlasse den Kalender zu berathen und ein gewissesGlas zu schütteln.

Aber nicht genug am Neide und der Feindschaft seiner Collegen auch bei dem Publikum brachten ihn einige Todesfälle in den Rufeines unglücklichen oder ungeschickten Arztes, und, wie es zu geschehenpflegt, die einmal in Gang und Lauf gekommene öffentliche Meinungsteigerte sich bis ins Ungeheure und Phantastische. Zimmermann wurdevon den städtischen Klatschbasen, natürlich nur unter der Hand, aus dennichtigsten Ursachen und mit den lächerlichsten Gründen beschuldigt sobehauptet er wenigstens Gift gemischt und ein Kindlein lebendigzergliedert zu haben. Aber nicht nur die Lebenden, auch die Todtenklagten in ihrer Weise den Stadtphysikus an und eine von Zimmermannbehandelte Bruggerin erschien nach ihrem Ableben mit seinen Medizinenin der Hand ihrer besten Freundin, um derselben warnend mitzutheilen,diese Arzneien seien an ihrem Tode Schuld.

Ueber diese plumpen und grausamen Vorurtheile der Kleinstädtergegen einen streng geschulten und berühmten Arzt wird man sich übrigensweniger wundern, wenn man sich vergegenwärtigt, daß es damalsdraußen auf dem Lande noch weit schlimmer stand. Der Bauer hieltden Satz aufrecht, ein freier Mann dürfe sich die Haut gerben lassenvon wem er wolle, behandelte sich demgemäß in fast allen Fällen mitWein, Gewürz und Käse, oder ließ sich von einem Charlatan miß-handeln, der am Sonntag in demselben Augenblick, da der Pfarrer Amensagte und von der Kanzel stieg, seinen Kram vor die Kirchenthüre und