Briefe an Goethe von Wilhelm Grimm.
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alten germanischen Mythologie erhalten, wie z. B. die FrauFlolla nichts anders als eine wahre Natur Göttin, eine freund-liche und furchtbare, eine große Mutter vom Berge ifh Auchdie Sage von den Siebenschläfern findet sich als eine eigen-thümlich deutsche in mancherlei Richtungen z. B. Nr. 29.7. 21. 23. Uns ift diese Sammlung eine angelegentliche Sache,zwar verfteht sich von selbft, daß wie durch ein Wörter-buch eine Sprache nicht kann dargeftellt und eingefaßtwerden, so auch die deutsche Volksdichtung nicht damitkann vollftändig begriffen werden, aber recht verhandeltund benutzt muß ein solcher Überblick aller Puncte, wosie sich geäußert, sey es nun in einer reichen oder armenund kleinen Blüthe, das lebendigfte Mittel zur Einsicht inihr Wesen seyn.
Bei der Edda kam es uns darauf an sowohl die wißen-schaftlichen Foderungen nach unsern Kräften zu befriedigen,als auch . die ausgezeichnete und gewaltige Poesie darinso nah als möglich zu rücken. Wären diese Lieder blosmythologischen Inhalts, wie die längft in Dänemark heraus-gegebenen, so könnte die hier zugefügte Prosa-Übersetzungentbehrt werden, aber hier schien sie uns das natürlichfteund darum befte Mittel zunu Verftändniß. Die Vorredekann erft mit der zweiten Abtheilung dieses Bandes aus-gegeben werden, indeß haben wir das nothwendigfte darauszur Bekanntmachung den Göttinger Anz. (1815. Nr. 110.)mitgetheilt. Üns Deutschen gehören diese eddischen Liederin so vielen Beziehungen an, daß sie kaum etwas auslän-disches heißen können. Merkwürdig bleibt wiederum ihregeiftige Verwandschaft mit dem Oßian, ob sie gleich mehrLeib und sinnliche Gegenwart haben.
Die Herausgabe des Armen Heinrichs ift zwar zunächftdurch die Zeit veranlaßt worden, indeß haben wir auchhier ein ursprünglich einheimisches, in einer ge wißen Vol-lendung erzähltes Gedicht ausgesucht. Die vorangehendeÜbersetzung sollte es gleichfalls allgemein zugänglichmachen: wir haben darin keine alte, unverftändliche Sprache