Anmerkungen der Herausgeber.
schiebende Kraft und für diese einen unterirdischen Gott.Als solcher bot sich ihm Ades. Erst später hat er an seineStelle den personificirten Seismos eingeführt, und die Psellenund Marsen singen in der classischen Walpurgisnacht ähnlichwie die Nereiden vom Ades und Poseidon, nur dass dort diezerstörenden Elemente statt der aufbauenden betont werden:
In Cyperns Höhlengrüften,
Vom Meergott nicht verschüttet,
Vom Seismos nicht zerrüttet.
Der Chorgesang gehört, wie schon an sich wahrschein-lich ist, offenbar in den Anfang des Stückes. Die Nereidenschildern gar anmuthig, wie ihre Schwester, die Thetis, ihreHauptführerin, im heiligen Dämmer der Grotte den Gemahlerwartet. Welchen Gemahl? Sicherlich nicht den Peleus,sondern den Zeus. Denn darauf beruhte ja der Umschlagim befreiten Prometheus, dass Zeus, im Begriffe sich mit derThetis zu vermählen, auf die Prophezeiung des Prometheushin dieser Vermählung entsagt und der Thetis den Peleuszum Gemahl gibt.
Weiter fragt es sich, mit wem redet Prometheus? Zweifels-ohne mit Apollon. Wessen Licht könnte sonst gemeint sein?Lange Zeit war Prometheus ja in die Finsterniss gebanntgewesen, jetzt ist er wieder ans Tageslicht gebracht, und esentspricht gar schön Goethes Naturanschauung, dass das ihmjetzt gegönnte Erblicken des Sonnenlichtes den Gram desGefesselten zu mildern vermag.
Und wer schilt in den letzten Zeilen in so phorkyadischerWeise? und wer wird gescholten? Ich denke, die Erwähnungder Höhlen tief in der Nacht (des Meeres) weist deutlich aufdie Nereiden, die ja zur Stelle sind, und der Scheltende kannfüglich Apollon sein, der ja auch zur Stelle ist. Die Nereiden,in weiblichem Mitgefühl, bedauern den Prometheus, währendApollon selbstverständlich auf Seiten des Zeus steht. Da kannleicht eine Scene sich entwickelt haben, in der beide Theileaneinander gerathen sind, und Apollon zornig die etwa vorlautgewesenen Nymphen in ihre Gränze zurückweisen sollte. Auchdurchzieht ja ein Zwiespalt zwischen Apollon auf der einenSeite und den Nereiden und der Thetis auf der anderen auchsonst noch die Sage. Apollon veranlasst den Tod des Achillund Thetis vergisst ihm diese Handlung nicht. So vermögenwir aus unseren wenigen Zeilen doch ein recht anschaulichesBild der Situation zu gewinnen.
Noch möge zum Schlüsse bemerkt werden, dass dieTrimeter, die wir hier aus dem Bleistiftgekritzel wieder ansTageslicht gezogen haben, aller Wahrscheinlichkeit nach die
Goethe-Jahrbuch IX. 6