Neun Briefe Goethes nebst zwei Briefen Corneliens. 107
das 1 ich Dich bitte in seinem primitiven Sinne zu nehmen,da es viel bedeutend ift. Empfange aus den Händen derFreundschafft was Dir Mitwelt und Nachwelt gern beftä-tigen wird
d. Grünendonnerftag G
1780.
Der Brief ist am 23. März geschrieben und liegt denPapieren bei, welche Wielands Familie bewahrt. Am 13. Märzschickte Wieland seine Dichtung, welche die drei ersten Monats-hefte des Teutschen Merkur 1780 füllt, an Merck; hat sie Goethespäter erhalten ? oder war Wieland so lange abwesend ? Merckschreibt er nichts von einer Reise. Goethes Brief (ein vonGoethes Hand der Breite nach beschriebenes Quartblatt, aufdessen Rückseite die Adresse steht: »H. Hofrath Wieland«)begleitete einen Lorbeerkranz; er klingt etwas mühsam undgewunden, als wenn das Lob nicht recht von Herzen ginge;aber davon kann nicht die Rede sein, Goethes günstiges Urtheilüber den Oberon ist bekannt, ich erinnere nur an die Stellein seinen Briefen an Lavater S. 8g. Das gekünftelte liegtüberhaupt nur in der Wendung über den Kranz; ich glaube,Goethe schwebt vor: im Alterthume war der Lorbeer vielmehr bedeutend (vgl. hierfür z. B. Plinius, Hist. nat. 1 . XVSchlusskapitel) als heutzutage; Wieland möge ihn in jenemalten, primitiven Sinne nehmen; denn vieles möchte er ihmin einem Worte sagen, vieles sagt das eine Symbol des Lorbeers.
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An Thouret. 19. Okl. 1798.
Die Vorschläge, welche Sie wegen des Schlossbauesthun, werde ich überlegen und nach Ihren Wünschen be-fördern. Montag komme ich zurück, da wir dann alles ver-abreden können.
Das Blatt, welches den Theater und Redoutensaal be-trifft, folgt hierbey zurück.
Ich bleibe Ihnen dankbar, sowohl für Ihre artiftischeBemühungen als für Ihr persönliches Betragen, in manchenFällen. Fahren Sie fort mir dieses ohnehin so schwierige
1 darnach ist gestrichen.
2 Von Schreibershand, Unterschrift eigenhändig. Das Original iroBesitze der Frau Medicinalrath Seubert geb. Thouret in Mannheim.