Jahrgang 
9 (1888)
Seite
132
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Neue Mittheilungen.

Ein Brief, den er aus Frankfurt an Lavater schrieb, istleider nicht mehr vorhanden. »Von Frankfurt schrieb ich,behielt den Brief im Sack, da soll er nun bleiben . . . MitGoethe hab ich in Frankfurt gelebt. Viel hätt ich zu sagen,aber ich kann doch ja nicht«. So aus Berlin den 23. Mai.An Bodmer schreibt er unter demselben Datum einen aus-führlichen selbstgefälligen Bericht über die Begegnung mitWieland in Weimar. Kein Wort über Goethe. Erst alsBodmer nach Goethe fragt, schreibt Hartmann aus Mitauden 30. Juli: »Von Goethe in Frankfurt kann ich Ihnensagen, daß er ein sehr guter Mann ift, mit dem ich inmanchen Dingen mehr Interessantes gesprochen habe, alsmit allen, die ich auf meiner Reise besucht habe«. Das istherzlich wenig, aber doch aus einer anderen Tonart alsseine früheren Äusserungen. Schon am 16. Juli hatte erübrigens an Bodmer geschrieben: »Gesehen müssen Sienun auch haben Goetter, Helden und Wieland ein Stück,das Goethe mehr Ehre macht in meinen Augen, als alles,was er sonft schrieb. Lavater und Basedow zusammen inSchwalbach ach daß ich unter ihnen wäre!«

Nun folgt noch das merkwürdigste Schriftstück, einBrief an Lavater aus Mitau 22. Februar 1775. Werther isterschienen, und Hartmann selbst ist Werther geworden.Eine heftige Leidenschaft hat ihn ergriffen für die 20 jährigeElisabeth Charlotte von der Recke, geb. v. Medern, diemit einem Mann verbunden ist, den sie nicht liebt. Mitder Geliebten zusammen verschlingt er den Werther. Dasvollendet den in Frankfurt begonnenen Umschlag: er würdesich jetzt für Goethe todtschlagen lassen.

Man höre folgende Bekenntnisse: »Ich habe kürzlichauf dem Lande eine Bekanntschaft gemacht, die mir nahegeht. Mit einer Frau von der Recke, einer ganz außer-ordentlichen Dame, bey der ich 14 Tage auf ihrem Ritter-sitze war. Wie viel wir da zusammen von dir sprachen.Sie liebt dich sehr, u: ift überhaupt mit der teutschen Lit-