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Neue Mittheilungen.
■wir Goethe noch, welcher unterdessen, dass wir in Zürichauf dem Lande waren, den Gotthard besucht hatte. Wirtrennten uns traurig von ihm und einige Tage nachher vonunserm Lavater . . .
Christ, v. Siolberg an Gerstenberg. * 1 Schleswig, 21. Jan. 1776.
In Zürch genossen wir aufs neue unsern geliebten Lavaterund wurden noch genauer mit diesem Gottes Mann ver-bunden. Was das für ein Mann ist, mein liebster Gersten-berg! Wie er mit der Schoos Jünger Güte, das feurigsteGenie verbindet, das täglich seine Freunde durch die auf-lodernden Flammen in Erstaunen sezt. Wir hatten alleMühe uns zu trennen, und mussten uns noch bey einemAbschiede, der mir ewig unvergesslich seyn wird, mitGewalt aus den Armen reissen. Unser Freund Miller warnach Zürch gekommen, mit ihm und einem Freund Kaiserreisten wir bis Ulm. Da war wieder eine Trennung. InNürnberg musste uns unser Herzensfreund Haugwiz ver-lassen. Der Schmerz erschütterte jede Saite unserer Seele.Wir waren aufs neue unzertrennlich geworden und hattengehofft bis Hamburg und vielleicht bis Kopenhagen zu-sammen reisen zu können. Nun musten wir unerwarteter gegen Osten und wir gegen Norden.
Von da [Gotha] nach Weimar, wo wir unsern geliebtenGöthe fanden, mit dem wir so gerne die ganze Reise ge-macht hätten. Wir genossen ihn 8 Tage, und lebten inWeimar mit ihm mit dem Herzog der ein trefflicher jungerMann ist, und mit den beiden Herzoginnen, die sind wieHerzoginnen nicht sind, herlich und in Freuden. Der ganzeHof ist sehr angenehm, man kann vergessen dass manmit Fürstlichkeiten umgeht. Wieland sahen wir viel. Siewissen wie viel ich gegen ihn habe, und wie viel ich ihmnie werde verzeihen können, dem ohngeachtet glaub ichdass er im Grunde ein guter Mann ist, den oft Schwach-heit und Leichtigkeit herum getrieben haben.
Seegen der Freiheit, von der Freude, dem Geiste, der Seeligkeit, welchenur sie giebt und welche andere Völcker nicht begreiffen können.Dieses edle Volck ohne allen Hochmuth, in seiner Einfalt, stolz aufdie Freiheit«.
1 Die ersten Seiten enthalten die Beschreibung der Rückreise vonLausanne über Schinznach.