Jahrgang 
10 (1889)
Seite
145
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Mittheilungen von Zeitgenossen über Goethe.

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F. L. Stoiberg an Bertuch.

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Auf dem Lande bei Kopenhagen 29. Aug. 1778 . 1

Was werden Sie von mir denken, mein lieber Freund!Dass ich Ihren gütigen freundschaftlichn Brief erst itzt be-antworte! Erst itzt Ihnen danke für Ihren weisen Junker, 2dem das deutsche Gewand, welches Sie ihm gegeben, sotrefflich wohl steht. Verzeihen Sie! Mein Herz hatte keinTheil an meiner Nachlässigkeit, und sagen Sie mir, dassSie mir verzeihen.

Ich kenne Sie genug, um zu wissen, dass Sie mir er-lauben Sie mit einem Auftrag zu beschweren. Ich werdeIhnen zehn Exemplare meiner Ilias schicken, mit Bitte, daseine zu behalten, eins an Goethe, eins an Wieland, eins anStadthalter Dahlberg, eins an die Frau v. Stein, eins an dieFräulein Göchhausen und jeder Herzogin, dem Herzog undPrinz Constantin eins zu geben. Allen diesen Edlen em-pfehlen Sie mich und sagen Sie mir aufrichtig, ob manmeiner noch gedenkt. Ich denke noch ohne viel zu em-pfinden an die flüchtigen Tage, welche ich bey Ihnen Allenzubrachte. Es war mir so wohl bei der Hoffnung in Weimarmein Leben zuzubringen und wenn nicht meine Geschwistermich zurückgehalten hätten, würde nichts in der Welt eshaben thun können. Leben Sie w 7 ohl! Mein Bruder lässtSie herzlich grüssen. Behalten Sie mich heb! MöchtenSie wohl Bürge dafür werden, dass die genannten Freundemich alle noch heben?

Rehburg, 14. Oct. 1786 .

Frau von Gravmayer 3 an Caroline von Beuhuitg.

.... Göthe hat viel (in Carlsbad) vorgelesen, unterandern Doctor Faust und es schien, dass meine beydeFreundinnen Lanthiery 4 * und Frl. Asseburg mich recht be-dauerten, es nicht gehört zu haben, ich bedauerte michdamals schon selbst darum, und noch hinten nach jedesmahl "wenn ich dran denke .... Denn bei dialogirtenStücken ist es von vorzüglichem Werth sie von den Au-toren selbst lesen zu hören, überhaupt ist es mir uner-sezbar Göthen nicht selbst sein Stück haben lesen hören. . ..

1 Aus den Goethe-Papieren des Froriepschen Archivs in Weimar.

2 Bertuchs Übersetzung des Don Quixote.

3 Mittheilung von O. Brahm. Aus dem Schillerschen Archiv.

4 Vgl. Goethe an Schiller No. 369. Urlichs Briefe an Schiller S. 172.

Goethe-Jahrbuch X. IO