Streitigkeiten der Frankfurter (jeistlichkeit etc. 177
genommen worden ist; und Huer Hochwohl- auch Wohl-gebohren gebe ich es gehorsammst zu bedencken, was ausdießen Weiterungen folgen kann? Die Streitigkeiten, dieder Hamburger Götze mit dem Seel. Klotz und den Ber-linern nicht ohne Ärgernis der Hamburgischen Gemeindenführte, sind noch in frischem Andencken. Was für eineempfindliche Wunde würde das Ansehen des hiesigen Hoch-würdigen Ministern leyden müßen, wenn der durch einesolche Begegnung gereitzte und nicht unter hiesiger Bott-mäßigkeit stehende Recensent, der Weldt diese Händelvorlegte, und sie mit Satze’ischer (?) oder Klotzischer Federabmahlte? Was würde man überhaupt von Frankfurt denckenmüssen, wenn man der Weldt bekannt machte, in was fürGräntzen hier der freye Geist gelegt werden sollte. Würdeman nicht glauben müßen, dass hier allem Genius derTodt geschwohren worden sey, und dass man hier dieReligion für ein so wanckendes Gebäude hielte, dass jederHauch es zerstören könnte. Nicht der Zwang des Gesätzes,sondern die innere Wahrheit erhält unsre Religion, und wodie Freyheit der Schrifftsteller gefesselt wird da artet Re-ligion, Weltweisheit, selbst die Tugend aus«.
Nachdem Schlosser noch einmal gegen den Befehleiner Abbitte protestirt und im Namen des Verlegers allemögliche Vorsicht zugesagt hat,schliesst er folgendermassen:»Es würde Traurig seyn, wenn das neue Zeitungs-Institut,in welchem der Geist der Freymütigkeit, der einzige derzur Wahrheit leitet zu herrschen anfangen will, gleich inder Geburt ohne eine höchstwichtige Ursache ersticktwerden solte. Deutschland kann von den Literär-Briefen,eine Epoche der neuen Gelehrsamkeit, die sehr glänzendist, anfangen. Ich weis nicht, ob die hiesigen Zeitungenin unsern nicht gar fruchtbahren Gegenden, vielleicht nichtauch ein Fünckchen ausstreuen können, das die Liebe zuden Wissenschafften, die in eine große Schläfrigkeit zuverfallen scheint, wieder einmal zu beleben im Stande ist —
Sollten wir eine solch Hoffnung ohne die wuchtigstenGründe verliehren? Ich hoffe es nicht; und geschähe es,so wird gewis, gewis ein solches Feuer angezündet werden,das eine w 7 eit größere weit empfindlichere Aergernis inder hießigen Kirche erwecken wird, als selbst einigeIrrtümer in dem Dogma thun konnten, die doch denbeyden Theologischen Recensionen noch nicht bewiesenwmrden sind.
Ich rede nichts von den unersetzlichen Schaden dendießes Beyspiel einer solchen Censur dem ohne dies schonwanckenden hiesigen Buchhandel bringen muß, dem aufdiese Art künfftig kein Schrifftsteller, der einiges Gefühl
Goethe-Jahrbuch X. 12