Streitigkeiten der Frankfurter Geistlichkeit etc.
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»Die zweyte ärgerliche Stelle soll in der Recensionvon Struensee stehen! die Stelle sagt: »Es schadet derReligion, wenn man Gott als einen Tyrannen vorstellt.Es werden viele zu Feinden Gottes, wenn er ihnen aufdieße Art vorgestellt wird«. Der Recensent behauptet, daßGott kein Tyrann sey; und daß diejenigen sich eine ganzfalsche Idee von Gott machten, die ihn so vorstellen. Istder Satz falsch, ist es wie ein Hochwürdiges Ministeriumsagt: eine höchst ungegründete Vorstellung, wenn man wieder Recensent verlangt Gott anders als einen Tyrannenvormahlt; Warum beten wir denn Vatter 1 unßer, und warumsagt Dr. Luther; Er will uns damit locken, daß wir glaubensollen, er sey unßer rechter Vatter und Wir seine rechtenKinder u. s. f. Ist es aber wahr, dass es höchst schädlichsey Gott als einen Tyrannen vorzustellen, Warum predigtman dann gegen die welche, wie dießer Recensent widereine solche Vorstellungs Art eyfern. Warum will man denWeltlichen Arm gegen denselben aufreitzen? Warum willman die hiesige hohe Obrigkeit in die Gefahr setzen; fürVerteidiger einer Lehre geachtet zu werden, die da behauptet:Gott wäre ein Tyrann? Warum will man die verderblicheMethode unterstützen, wonach einige die Religion so schwehr,so wiedernatürlich machen, daß kein Mensch sie tragen kann.Schon Christus sagt zu den Pharisäern, ihr ladet «Jen Men-schen unerträgliche Lasten auf, die ihr mit keinem Fingerberührt; schon Paulus sagt, man solle die Gewissen nichtängstigen. Johannes und alle Apostelen predigen nichtsals Liebe, setzen wie Christus selbst den gantzen Grundder Religion auf Liebe zu Gott und zu sich; wie kann esalso straff bahr seyn, wie kann es ärgerlich seyn, wennman sagt; man solle Gott eben so, wie Christus und dieApostel, und nicht als einen Tyrannen, vorstellen? Wiekann es straffbahr sein, wenn man sagt, derjenige Freundder Religion, der Sie so vorstellt, daß die MenschlicheNatur nicht dabey bestehen kann, daß sie selbst ganzWiderspruch ist, schade der Religion mehr als ihre Feinde?Und dießer schädliche Freund der Religion ist Pascal,welcher in seinen Pensees S. 14, S. 54, S, 189 sagt: Noussornmes haissables, la raison nous en convainc. Or nulleautre Religion que la Chretienne ne propose de se hair.Nulle autre Religion ne peut donc etre recue de ceux quiscavent qu’ils ne sont dignes que de haine. Ein abscheulicherSatz gegen den sich Vernunfft und Hertz empört, und derniergend, niergend in der Christlichen Religion gegründet ist.
1 Beachtenswerdi ist hier das doppelte »t«, wie in der Vorstellungvon Goethe im Worte »auftretten«.