Goethes Arbeit an »Hermann und Dorothea«.
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materials verbieten, so lange nicht der betreffende Bandder Ausgabe erschienen ist. Auch die Mittheilung einzelnerProben, die hier ausnahmsweise erfolgt, geschieht nur mitder ausdrücklichen Genehmigung der hohen Eigenthümerindes Goethearchivs, für deren Ertheilung ich den ehrfurchts-vollsten Dank ausspreche.
Dass Goethe von den zwanglosesten Rythmen in demschnell niedergeschriebenen ersten Entwurf erst allmählichzu strengeren metrischen Anforderungen fortschritt, ergibtsich deutlich schon aus einigen Beispielen von gradezufehlerhaften Versen der ersten Fassung.
Berüchtigt und viel erwähnt ist der bekannte Sieben-füssler in »Hermann und Dorothea«, 2, 186:
»Ungerecht bleiben die Männer, und die Zeiten der
Liebe vergehen«.
Goethe hielt ihn trotz aller ihm von Riemer, HeinrichVoss und zuletzt von Göttling (Brief vom 2. Juli 1825)gemachten Vorstellungen aufrecht. Riemer (MittheilungenII, 586 Anm.) erzählt, als H. Voss Goethe auf die Un-richtigkeit des Verses aufmerksam gemacht habe, habe.dieser geantwortet: »Die siebenfüßige Beftie möge alsWahrzeichen flehen bleiben«. Die nusserung zeigt, wiewenig ängstlich in solchen Nebenpunkten der Dichter seinund wie er sich zuweilen in launiger Hartnäckigkeit aufseinen Willen versteifen konnte. Üass er hier nicht etwaein Prinzip vertrat, beweist der Umstand, dass er Ähnlichesan vielen Stellen thatsächlich gebessert hat. Es finden sichnämlich in der Handschrift noch eine Reihe derartigerVerse, die nachher verschwunden sind. So lautete ur-sprünglich Vers 1, 54:
(Und so kam auch zurück mit seinen Töchtern gefahren)
»Rasch der | reiche | Nachbar j an die | andere | Seite des [
Marktes«.
(Dass Goethe gemessen hätte: »Rasch der | reiche Nach | bar«ist doch kaum anzunehmen.)
Der Dichter besserte dann:
»Rasch an die andere Seite des Markts der stattliche
Nachbar«
und änderte den Schluss wieder in: »der begüterte Nachbar«,was schon die erste Ausgabe bietet.
Der Vers 5, 140 hat zuerst die Fassung:
»An die | Wage | knüpften sie [drauf init|abge|messenenf
säubern«
(Stricken die rasche Kraft der leicht hinziehenden Pferde).
Goethe-Jahrbuch X. 14