Jahrgang 
10 (1889)
Seite
232
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Abhandlungen.

Änderungen, welche der Verfasser mit der Geschichte vor-genommen hat, sind in seiner Manier notlrwendig gegründetund dürfen^ daher durchaus nicht gemisbilligt werden«.Schiller war der Romantik entgegengekommen, indem erseine Stoffe in der Jungfrau, Braut von Messina, Teil nichtmehr aus dem hellen Tageslichte der Geschichte, sondernaus dem Dämmerlichte halb mythischer und sagenhafterZeiten entnahm und so der Forderung nach Mythologie,welche Schelling und Friedrich Schlegel anregten, auchseinerseits Rechnung trug. Die Romantiker andrerseitsmussten sogar in privaten Briefen den »trefflichen Teil«anerkennen, in welchem sie ihren verehrten Johannes Müllerdramatisirt fanden. Schillers Dramen wirkten auf dieRomantik zurück: die unglückliche leidende Felicitas inTiecks Octavian erinnert in mehr als einem Zuge anSchillers Maria Stuart und der Heldenjüngling Florens,welcher aus dem Volke erstehend der Retter Frankreichswird, hat manches mit Schillers Heldenjungfrau gemein.Selbst in die »Braut von Messina«, deren Costüme antikeund romantische Elemente verbindet, wie die Romantikerklassische und moderne Anschauungen chaotisch mengten,hat Schiller noch einen katholisirenden Zug aufgenommen;bei dem Erscheinen der Mutter mit ihren Söhnen singtder Chor, auf das Madonnenbild anspielend:

»Selber die Kirche, die herrliche, kennet

Schöneres nicht auf dem himmlischen Thron,

Als die Mutter mit ihrem Sohn «. 1

Nachtragsweise möchte ich noch auf die Uebereinstimmungverweisen, welche zwischen der von Mephistopholes im ersten Theildes Faust (V. 1349fr) vorgetragenen Kosmogonie und den »Hymnenauf die Nacht« von Novalis besteht. Auch Novalis betrachtet dieNacht als Mutter, welcher das undankbare Licht alle seine Herrlich-keit verdankt u. s. w.