Chronik.
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Weimars lebhaften, herzlichsten Antheil und wünsche, dassdie Erinnerung der grossen Vergangenheit der Gegenwartwie Zukunft reichsten Segen bringen möge. Karl Alexander«.Dieser deutsche Gruss von dem Grossherzog von Weimar er-weckte in der ganzen Festversammlung die freudigste Über-raschung und die höchste Begeisterung. Neben den üblichenToasten kamen Drahtberichte oder Schreiben zur Verlesungvom Goethe-Archiv, vom Wiener Goethe-Verein, von mehrerenProfessoren und Goetheforschern. Zur Vertheilung unter dieFesttheilnehtner gelangte ausser der Rede von Prem und demGedichte von Redwitz auch ein stimmungsvolles Lied H.v. Vintlers »Mehr Licht«, dessen letzte Strophen diesen Berichtabschliessen mögen.
Ach, Einz’ger du, das ist es! Tagen sehen,
Ja, tagen seh’n, wir möchten’s auch!
Doch wie durch bösen Zauber birgt den ÄtherUns allfort schwerer Nebelrauch;
Und hebt sich je, das Düster zu zerjagen,
Ein kühnlich frischer Morgenhauch,
Den weiss der finst’re Berggeist rasch zu bannen,
Und immer wieder tagt es nicht;
Der Blick ist müd’ des ew’gen DämmerwebensUnd lang schon lechzend fleht er, doch vergebens:Mehr Licht! Mehr Licht!
Du Götterliebling, dessen Bild wir kränzen,
Dem diese Höhe wir nun weih’n,
O sende Deines Geistes Weh’n, du Mächtger,
In unsere Düsterniss herein!
Was edel ist und menschlich, gross und duldsam,
Das schliesst dein Geist ja alles ein;
Wir rufen ihn herbei aus tiefster Seele,
Wir huld’gen ihm — verlass uns nichtUnd segne diese Berge, diese ThaleUnd brich den Bann, dass uns die Sonne strahle —Mehr Licht! Mehr Licht!
Prems Rede und O. v. Redwitz’ »Festgedicht« liegen mirin einem Separatdruck vor (3 bez. 1 S. in 4 0 ).
In Stäfa fand am 14. Oktober auf Anregung des HerrnBertheau und des schweizerischen Spinner-Weber- und Zwirner-Vereins, dessen Actuar er ist, eine kleine Goethefeier statt, zurErinnerung an Goethes Aufenthalt an genanntem Orte (1797).