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Chronik.
Marmortafel mit dem Goethe-Bildniss feierlich zu enthüllen.Hier in dem Posthause auf dem Brenner hatte Goethe vom8. auf den 9. September 1786 übernachtet, bevor er in dasLand seiner Sehnsucht, nach Italien, hinabzog, das für seineEntwicklung von so einschneidender Bedeutung werden sollte.[Durch den Director des Goethe-Archivs, Prof. Suphan, istübrigens festgestellt, dass Goethe nicht, wie bisher angenommenwird, nur dieses eine Mal auf dem Brenner geweilt, sonderndass er auch auf der zweiten italienischen Reise, vom 21. zum22. März 1790, sich dort befunden habe.] Um 3/42 Uhr Nach-mittags erölfnete Professor J. V. Zingerle die Enthüllungsfeiermit einer Begrüssungsrede, in der er mit ergreifenden Wortendie geschichtliche Bedeutung des Brenners hervorkehrte, Uberden einst gewaltige Heere nach dem Süden zogen, der eineScheidewand zwischen Deutschland und Italien sei. Dadurch,dass unser Dichterfürst an dieser Stätte am höchsten Wende-punkte seines Lebens Einkehr gehalten, sei sie geweiht undgeheiligt und voll Bedeutung geworden für Diejenigen, die jenseitund diesseit des Brenners wohnen. Dann folgte der Vortrageines Festgedichtes von O. v. Redwitz, das Goethe als jungen,noch unbekannten Wandersmann vorfuhrt, wie er einst ineiner Herbstnacht im Postwirthshaus auf dem Brenner einge-schlafen war und von einer Geisterschaar aus der Alpen Fels-revier begrüsst wurde. Ihr Chor, feierlich wie Meereswogen,verkündet dem hoffnungsvollen Wanderer von hier aus Glückauf die Reise, und schliesst mit den Worten :
Dein Geist durchglänzt des Erdballs Enden!
Was brauchst Du unsers Rühmens Licht?
Und doch verschmäh’ aus KünstlershändenAn diesem Haus Dein Bildniss nicht!
Dass wer auf diesem BrennerpasseHier einkehrt in der fernsten Zeit,
Sich stets daran gemahnen lasse:
Durch Dich ward dieses Haus geweiht!
Nach Absingen Goethescher Lieder fiel die Hülle vondem Denkmal. Darauf hielt S. M. Prem die Festrede Uberdie Bedeutung der italienischen Reise für Goethes Entwicklung.Nach Beendigung dieser Enthüllungsfeier vor dem Posthauseging es zum Festmahl, das der Postmeister J. Girtler denGästen in seinem wohleingerichteten Hause verabreichte.Professor J. V. Zingerle brachte das erste Hoch Sr. Maj. demKaiser Franz Joseph, dem Landesherrn, worauf die Volks-hymne stehend gesungen wurde. Dann kam folgender Draht-bericht zur Verlesung : »An der Enthüllung des Goethe-Monu-ments auf dem Brenner nehme ich für mich, wie im Namen