Chronik.
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andrerseits ist nicht möglich. Für jenes müsste man ersteinen Vergleich mit der Zahl der Darstellungen der DramenLessings, Schillers, Shakespeares oder der gerade von derMode besonders begünstigten Schau- und Lustspiele anstellen— eine ungemein mühselige und zeitraubende Arbeit — fürdieses müsste man in Anschlag bringen, dass manche Auf-führungen von »Faust« und »Iphigenie« besonders in kleinenStädten sich aus dem Umstande erklären, dass Schauspielerund Schauspielerinnen den Mephistopheles und die Iphigeniein ihren Gastrollen haben.
Interessant wäre es auch, die Stücke und die Zahl ihrerAufführungen zusammenzustellen, welche auf Grund Goethe-scher Stoffe gearbeitet sind, der bekannten Opern Gounods»Margarethe«, Boitos »Mephistophele«, A. Thomas »Mignon«,aber eine solche Aneinanderreihung bedarf eines gewaltigenZeitaufwandes. Auch an Parodien fehlt es nicht, z. B. diealte Operette »Margarethe und Fäustling«. Dagegen habendie im Verzeichniss des Jahres 1887 häufig wiederkehrendenStücke: Dr. Fausts Hauskäppchen; Hermann und Dorothea;Im Reiche der Mutter mit Goetheschen Werken, so viel ichweiss, nichts gemein. Auch Bearbeitungen von Episoden ausGoethes Leben kommen vor, ein speciell Stralsunder Erzeugnissscheint das in der genannten Stadt zweimal auf die Brettergelangte Lust- oder Schauspiel »Aus Goethes lustigen Tagen«zu sein; K. Gutzkows »Königslieutenant« dagegen ist leider,dank der Rolle, die den Schauspielern ihre Virtuosität imRadebrechen des Deutschen und im Französischsprechenzeigen lässt, nicht weniger als 33mal auf 25 deutschenTheatern aufgeführt worden!
Aus dem Jahre 1888 liegen die Nachrichten noch zuunvollständig vor, um hier mitgetheilt zu werden. Das Obigesollte nur ein Versuch sein, dessen Fortsetzung nur dann folgensoll, wenn er bei den Fachgenossen Billigung erhält.
Der erste Theil von Goethes »Faust« wurde (Mitte April)am Münchener Hoftheater neu ausgestattet gegeben und zwarim Gegensatz zu früheren Aufführungen mit dem »Prolog imHimmel« und der »Walpurgisnacht«.
»Faust fortgeführt bis auf die Gegenwart« Faust up todate, eine Travestie von Sims und Petrill, wurde am 30. Oktoberim Gaity Theatre aufgeführt. Faust als Stutzer trifft mitMargarethe, einer heirathslustigen Person, auf der italienischenAusstellung zusammen; Mephistopheles als Ire, Zeitungs-händler und Tänzer.