Jahrgang 
10 (1889)
Seite
268
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Chronik.

Nausikaa, Drama in 5 Aufzügen in freier Ausführung desGoetheschen Entwurfs von Hermann Schreyer, Professor zuPforta. Im Druck erschienen 1884 im Verlag der Waisenhaus-buchhandlung zu Halle a. S. (Der Plan wie er in der ita-lienischen Reise dargelegt ist, im Wesentlichen festgehalten.Die Verse des Fragmentsgrösstentheils wörtlich aufgenommmen.)

Aufgeführt zuerst Hoftheater Oldenburg 6. und 17. No-vember 1887 in Weimar (im Ganzen 5mal) zuerst 5. Januar 1888.(In Vorbereitung im Königlichen Schauspielhaus in Berlin.)

Am 12. November wurde in Christiania Götz von Ber-lichingen mit der eisernen Hand zum ersten Mal aufgeführt. Wiedie Berliner Börsenzeitung vom 27. November mittheilt, schriebein norwegischer Kritiker über das Stück und die Aufführungfolgendes: »Das Stück selbst besitzt in seiner scenischen Ge-stalt nichts von besonderem dramatischen Werthe. Die Aktefallen unangenehm auseinander. Man kommt so gut wie un-vorbereitet zu jedem neuen Tableau; und wenn diese dannnicht von einem ganz besonders gelungenen Arrangement undvorzüglicher Ausstattung getragen werden, müssen sie wirkungs-los bleiben. Und so blieben sie auch oft bei dieser Vorstellung.Glücklicherweise ist jedoch der letzte Akt sehr natürlich, sodass das Publikum, welches bereits sehr abgespannt war, währendder letzten Tableaux wieder auflebte und endlich durch Adel-heids äusserst aufregende Ermordung in Grausen und Jubel mit-gerissen wurde. Ein Kassenstück wird Götz von Berlichingennicht werden, aber hoffentlich auch nicht der Ruin des Theaters«.Ob sich der Kritiker oder Berichterstatter der genannten Zeitungmit der angeführten Kritik einen schlechten Scherz gemachthat oder ob wirklich eine derartige Kritik in vollem Ernst ver-öffentlicht worden ist, muss einstweilen dahingestellt bleiben.

A. Girots Zusammenstellung: Agregation dAllemand en1889 Extrait de la Revue de lEnseignement secondaire etde lenseignement superieur 1. Nov. 1888, 11 SS., gibt eineBibliographie der zu benutzenden Schriftsteller und Er-läuterungsarbeiten. S. 34 speziell zu »Werther, Egmont,West-östlicher Divan«. S. 5: Hinweis aufDüntzers neues WerkUber Goethe und K. August. S. 11: Goethes Iphigenie(2 Akte) zum Certificat daptitude mit zwei Erläuterungs-schriften. Wenn wirklich die S. 3, 4 erwähnten Werke undArtikel von dem zum Aggregatsexamen Zuzulassenden gründlichgekannt werden, so haben diese eine höchst achtungswertheKenntniss deutscher Literatur zu erweisen.