Jahrgang 
10 (1889)
Seite
305
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Bibliographie.

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Verse J. U. Königs 1721 und danach G. B. Hanekes 1725 sprechenvon einem grossen Bankett und bemerken dazu: »Der Doctor Faustist nur ein Narre gegen Dir«. »Hat etwa Doctor Faust dies alles aus-gefunden ?« Ein Vertheidiger Hanekes gegen ein Plagiat aus Königsagt: »Alle Kinder wissen bey uns (in Schlesien) von Dr. Faust«,neue Beweise für die grosse Popularität der Volkssage.

»Faust auf der englischen Biihneti. (Vgl. G.-J. VII, 318322.)

Von befreundeter Seite erhalte ich einen Theaterzettel der 517. Vor-stellung im Royal-Lyceum Theatre in London am 25. April 1888. Dazuein illustrirtes Erinnerungsbüchlein: »The Lyceum Faust«. By JosephHatton (30 SS. in 8° liegendes Format), Abdruck aus dem Art Journal,von dem bereits das 49. Tausend veröffentlicht ist. (London, J. S.Virtue & Comp.)

E. F.: Eine Faustvorstellung in Kronstadt (1794). (Corre-spondenzblatt des Vereins f. Siebenb. Landeskunde X, 4.)

»Mephistopheles in Broadcloth«, a Satire, by George FrancisArmstrong (London, Longmans, Green & Comp).

»Eine sehr hübsche Satire im Stile von Byrons »English Bards«u. A. Mephistopheles ist aus der Hölle in die Hölle unserer Welt ge-rathen und macht nun seine satirischen Bemerkungen über dieselbe.Ein geistreicher Vorwand für ein Spottgedicht, das mit viel Witz, viellebendiger Sprachbeherrschung in trefflichen englischen Versen sichvorträgt und Armstrongs Talent von einer neuen Seite zeigt«.

(Magazin iür Literatur des In- und Auslandes, 5. Mai.)

Theophilus. Das Faust-Drama des deutschen Mittelalters, über-setzt und mit einer erläuternden Einleitung versehenvon Joh. Wedde, Hamburg, H. Grüning. LXIII und78 SS.

Die Einleitung beginnt mit den Iraniern und Zoroaster und ver-sucht den Teufelsglauben weiter geschichtlich zu verfolgen: Hiob,Simon Magus. Entstehung und Inhalt der Theophilus-Legende.Die Übersetzung nach Hoffmann von Fallerslebens Ausgabe (1853),aber mit Benutzung der übrigen Handschriften.

Eine französische Faustdichtung: le bonheur von Sully Prud-homme. (Frankfurter Zeitung, 7. März.)

Doctor Fausts Ende. Tragödie in fünf Aufzügen von AdolfMüller. Blankenburg a. H., Ch. Fulda. 144 SS.

Frei nach Goethe: einzelne Verse aus Goethes Stück werdencitirt, Mephisto und Wagner spielen eine ähnliche Rolle wie bei Goethe.Faust dagegen ist nur der ideale Denker, der nach dem Höchsten ver-langt, politische und geistige Freiheit für sich und Deutschland erringenwill. Schuld lädt er keine aut sich: weder Blutschuld noch Verführung;dass er sich früher mit Magie beschäftigt, erfahren wir nur gelegentlich;und dass er mit Mephisto einen Pact geschlossen, muss man aus Goethewissen, denn Müller hält dies mitzutheilen nicht für nöthig. Trotzdembeansprucht Mephisto den Gestorbenen, muss sich aber von Gabrieleines Bessern belehren lassen. Warum Faust stirbt, wird nicht klar,ausser dass sein Tod zum Abschluss der Tragödie nöthig ist. Erstirbt, nachdem ihn die Studenten, denen er schon in Wittenberg ein

Goethe-Jahrbuch X. 20