Jahrgang 
10 (1889)
Seite
306
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Bibliographie.

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geliebter Lehrer war, aus dem Gefängniss befreit hatten. In dieseswar er durch Granvellas und Albas Bemühungen gebracht worden, dieauf seine Begünstigung durch Karl V. neidisch geblickt und mit Un-willen gesehen hatten, dass Karl den Faust zu seinem »Nuntius inKirchensachen« gemacht. (Eine kleine platonische Liebelei zwischenFaust und Maria von Ungarn, Karls Schwester, spielt mit hinein; amHofe grosse Maskeraden, die theils an die Belustigungen im kaiserlichenPalast, theils an die Walpurgisnacht bei Goethe erinnern.) Faust hatgrosse politisch-kirchliche Pläne: Stärkung Deutschlands, Befreiung des-selben vom Papstthum. Er ist ein Bundesgenosse Luthers, der ebensowie Tetzel eine Rolle im Stücke spielt; Mephisto erhält von jenemdas bekannte Tintenfass an den Kopf geworfen und hänselt diesen.Studentenscenen: Mephisto hält an Fausts Stelle ein grosses Colleg überGott und Teufel. Das Drama ist in gereimten, mitunter recht schlechtenVersen.

Die Mannheimer Bühnenbearbeitung des Götz von Berlichingenvom Jahre 1786. Ein Beitrag zur Buhnengeschichte desGötz. Nach dem Mannheimer Soufflierbuch mit Ein-leitung zum ersten Male herausgegeben von Dr. EugenKilian. Mannheim, J. Bensheimer, 1889.

Das Manuscript lag der Mannheimer und später auch der Frank-furter Aufführung 1786 zu Grunde; es ist bezeichnet »für die Bühnegeordnet von Goethe 1786«, kann aber selbstverständlich nicht vonGoethe herrühren, sondern von einem Mannheimer Regisseur. Für die-selbe characteristisch ist 1. Abschwächung oder Streichung aller der-jenigen Stellen, die gegen Fürsten und Hofleben gerichtet sind, 2. Weg-lassung der Ausfälle gegen Geistlichkeit: der Bischof von Bamberg wirdzum Fürsten, Abt von Fulda fällt fort; in den Äusserungen des BrudersMartin alle Bemerkungen gegen Klosterwesen, 3. dramatische Änderungen(Zusammenziehen, Verlegen, Streichen), um den Scenenwechsel wenigerhäufig zu machen (im 3.Aktz. B. nur 3 mal, während im Original 21 mal).Manche Persönlichkeiten werden ganz weggelassen: der Kaiser undSickingen; des Letztem Werbung geschieht schriftlich, wird von Götzder Schwester überbracht, von dieser aber abgelehnt; trotzdem bleibtin der Schlussscene »Marie, geb dir Gott deinen Mann wieder« stehn.Unter den Auslassungen u. A. Todesscene der Adelheid. Eine seltsameganz unnöthige Änderung, dass Selbitz nicht stirbt, sondern in derSchlussscene erscheint, nur Begrüssungworte spricht, aber gar nichtangeredet wird. Der Gang der Handlung ist kurz folgender 1. Akt:Jaxthausen, Familienscenen. 2. Akt: Bamberg bis zum Beginn derUmstimmung Weislingens durch Adelheid. 3. Akt: Expedition derReichsarmee, Berathungen und Kämpfe bis zu Götzens Gefangennahme.IV. Adelheidscenen, wobei eine seltsame Mischung der Unterredungen,die bei Goethe in diesem und im zweiten Akte sich fanden. Götzgefangen in Heilbronn bis zum Eindringen der Sickingenschen Reiter.(Speculation auf die Lachlust des Publikums durch die Reden der Raths-herrn.) V. Bauernkrieg mit wesentlichen Streichungen und Änderungen:die Bauern selbst haben sich gegen Götz empört und liefern ihn aus.Weislingen wird nach Heilbronn gebracht; Scene..zwischen ihm undMarie; Götz Sterbescene mit den obenerwähnten Änderungen. Derdramaturgische Werth der Bearbeitung wird von dem Herausgeber über-schätzt, der sogar eine Benutzung derselben durch die Theatervorständeempfiehlt.